Zur Naturalverpflungung: "Das hat es schon gegeben, es hat aber nicht
funktioniert"
Wien - Das Innenministerium möchte bei Zivildienern künftig
verstärkt auf Naturalverpflegung setzen. Einen diesbezüglichen
Vorschlag werde Innenministerin Liese Prokop (V) bei einem heutigen Runden Tisch mit Zivildienst-Organisationen unterbreiten, sagte ihr
Sprecher am Dienstag.
Hintergrund für die Gesprächsrunde ist ein Erkenntnis des
Verfassungsgerichtshofes (VfGH), wonach das derzeit in den meisten
Fällen bezahlte Verpflegsgeld von rund sechs Euro "deutlich" zu
niedrig sei. Der VfGH hatte als Richtwert 13,60 Euro genannt.
In der Folge entstand ein Streit zwischen Ministerium und
Zivildienst-Trägern, wer für die Kosten für die rückwirkende Anhebung
des Verpflegsgeldes bzw. die künftigen Mehrkosten zuständig sei.
Lösungsansätze sollen bei dem morgigen Treffen diskutiert werden.
Das Ministerium strebt nun an, in möglichst vielen Fällen eine
Naturalverpflegung vorzunehmen, die die Ausbezahlung des
Verpflegsgeldes ersetzen würde. Man sei der Ansicht, dass eine
Naturalverpflegung bei einem "großen Teil" der Zivis möglich wäre,
sagte der Sprecher Prokops. Möglichkeiten dafür wären Großküchen,
Essen auf Rädern oder Mensen. Grundsätzlich hält das Ministerium an
seiner Meinung fest, dass man die Mehrkosten nicht übernehmen könne.
Haidlmayr: Naturalverpflegung funktioniert nicht überall
Die Grüne Behindertensprecherin Theresia Haidlmayr hat die Idee als
"absurd" bezeichnet: "Das hat es schon gegeben, es hat aber nicht
funktioniert. Deswegen ist das Verpflegsgeld eingeführt worden",
so Haidlmayr gegenüber der APA. Die Ministerin müsse zur Kenntnis nehmen, dass sie die Differenz zu den vom Verfassungsgerichtshof (VfGH) als Richtwert genannten 13,6
Euro zu zahlen habe. "Sie kann das nicht auf die Trägerorganisationen
abwälzen", so Haidlmayr.
Auf einen "guten Vorschlag" von Prokop hofft indes Österreichs
Caritas-Präsident Franz Küberl; und zwar im Sinn
der Verantwortung des Innenministeriums für den Zivildienst, damit
Organisationen wie die Caritas auch künftig Zivildiener einsetzen
können, meinte Küberl in einer Aussendung. (APA)