Analysten trauen DAX 2006 weitere Gewinne zu

16. Dezember 2005, 21:26
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Gute Gewinnentwicklung bei Unternehmen in Kursen noch nicht vollständig enthalten - Aktienexperten waren für 2005 zu pessimistisch

Frankfurt - Weiter wachsende Unternehmensgewinne werden nach Einschätzung von Aktienstrategen auch im kommenden Jahr für steigende Kurse an den Börsen sorgen. "Ich bin optimistisch, dass wir beim DAX im Verlauf des Jahres 2006 die Marke von 6.000 Punkten sehen werden", sagt Frank Schallenberger von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW). "Die Gewinne der Unternehmen dürften zweistellig zulegen, das sollte auch den DAX stützen."

Auch Ralf Grönemeyer von der Commerzbank rechnet mit einem guten Jahr für Aktien. "Die hohe Gewinnentwicklung bei den Unternehmen ist in den Kursen noch nicht vollständig enthalten." Sein Kollege Michael Köhler von der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP) sagte, an den Kurstreibern habe sich nichts geändert. "Trotz der Kursgewinne ist die Bewertung immer noch sehr günstig", stellt er fest.

Weiter schwacher Euro

Für Unterstützung dürfte auch der weiter schwache Euro sorgen, von dem insbesondere die deutschen Exportwerte profitierten. Allerdings gebe es weiterhin Risikofaktoren, wie etwa den Ölpreis, der 2005 bei rund 70 Dollar einen Rekordstand erreicht hatte, sagt Köhler. Nach Einschätzung von Grönemeyer dürfte sich zudem das US-Wirtschaftswachstum in der zweiten Jahreshälfte abschwächen.

Für den Deutschen Aktienindex (DAX) prognostizieren 29 von Reuters befragte Banken einen Kurs von durchschnittlich 5.721 Punkten zum Jahresende 2006. Das wäre zum gegenwärtigen DAX-Stand von etwa 5.300 Zählern ein Plus von rund acht Prozent. In diesem Jahr hat der DAX bisher 25 Prozent an Wert gewonnen, ein Zuwachs mit dem voriges Jahr kaum jemand gerechnet hatte.

Am pessimistischsten ist die US-Investmentbank JP Morgan, die einen Index-Rückgang auf 5.000 Punkte erwartet, wogegen das Frankfurter Handelshaus Steubing mit 6.975 Punkten alle anderen Prognosen in den Schatten stellt. Auch für das zu Ende gehende Jahr hatte sich Steubing mit 5.584 Punkten sehr optimistisch gezeigt, kam damit dem tatsächlichen Stand aber näher als die meisten anderen - weit vorsichtigeren - Häuser.

Eine Reihe von Banken setzt 2006 verstärkt auf die Themen Wachstum und Investitionen. Die Experten der WestLB halten es für wenig sinnvoll, Dividenden zu zahlen, wenn die Unternehmen auch die Möglichkeit haben, etwa in Zukäufe zu investieren. Gewinnausschüttungen bleiben aber nach Meinung vieler Strategen in Mode. "Ich bin immer noch ein großer Fan von Dividenden, denn mit einer guten Dividendenrendite schläft es sich ruhiger", kommentiert Schallenberger. Das eine schließt das andere nach Ansicht der Deutschen Bank nicht aus. "Viele Unternehmen können es sich leisten, beides zu machen. Letztendlich macht es die gesunde Mischung", urteilt Klaus Martini von der Deutschen Bank.

Optimismus für die Pharmabranche

Optimistisch sind viele Strategen für Pharma-Aktien. Die Branche verfüge immer noch über ein überdurchschnittlich gutes Wachstumspotenzial, prognostizieren die Experten der BHF-Bank. Auch die Titel des Softwarekonzerns SAP stehen bei mehreren Banken, darunter WestLB und Sal. Oppenheim, auf der Empfehlungsliste für das kommende Jahr. Dagegen bezeichnen die Analysten von Helaba Trust die SAP-Papiere als "Flop-Kandidat 2006".

Vor gut einem Jahr hatten die Aktienstrategen einer Reuters-Umfrage im Schnitt zufolge für das Jahresende 2005 einen DAX-Stand rund 4550 Punkten prognostiziert. Das sind 15 Prozent weniger als der derzeitige Kurs. "Die schlechten Erfahrungen nach dem übertriebenen Optimismus zu den Neuer-Markt-Zeiten sind noch in den Köpfen drin. Im Zweifel hält man sich lieber etwas zurück und wird dann positiv überrascht als umgekehrt", begründet Schallenberger die Zurückhaltung. Auch Köhler sagte, die Analysten wollten sich nicht mehr so weit aus dem Fenster lehnen. "Wir sind gebrannte Kinder. Andererseits ist die gesunde Skepsis aber auch ein gutes Zeichen, denn sie verhindert zu große Euphorie und Übertreibung."

Auch bei Einzeltiteln waren die Analysten bisweilen wenig treffsicher. So hatten mehrere Banken die Papiere der Deutschen Telekom vor einem Jahr zu den Favoriten für 2005 gezählt. Auf Jahressicht sind die T-Aktien mit einem Minus von 15 Prozent jedoch das Schlusslicht im DAX. (Reuters)

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