Morddrohungen gegen zwei Künstler: Deutsche in Salzburg vor Gericht

14. Dezember 2005, 09:27
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33-jährige Berlinerin schrieb Brief an ihren "geliebten" Peter Ruzicka - Einweisung in Anstalt nicht rechtskräftig

In einem Brief an den von ihr "geliebten" Salzburger Festspielintendanten Peter Ruzicka äußerte eine 33-jährige Deutsche im Juli 2005 Morddrohungen gegen den Dirigenten Christian Thielemann und den Dramaturgen Hermann Beil. Die beiden Künstler würden sie an die Amerikaner verraten. Vor einem Salzburger Schöffengericht bestritt die an paranoider Schizophrenie leidende Frau, dass dieses Schreiben von ihr stammt. Das Gericht sprach wegen gefährlicher Drohung eine Einweisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher aus, die allerdings noch nicht rechtskräftig ist.

"Wenn Christian Thielemann und Hermann Beil weiterhin Informationen den Amerikanern in die Hände spielen, werde ich sie eigenhändig umbringen, das ist mein Ernst", schrieb die Angeklagte laut Salzburger Staatsanwaltschaft am 20. Juli 2005 an den Salzburger Festspielintendanten. Sie fühle sich von den beiden Künstlern und ihren "Doubles" beobachtet und belästigt, referierte sie heute in einem 50 Minuten dauernden Redeschwall. Die zwei "Verbrecher" würden im Auftrag der USA, des CIA und der Mafia arbeiten, die den Terror gegen sie unterstützen und auch versuchen, in ihr intimes Leben und das von dem "designierten Generalmusikdirektor" Ruzicka zu intrigieren. Zudem sei Salzburg nicht die Stadt für Thielemann und Beil.

Stalkerin

Seit mehreren Jahren bereits verfolgt die beschäftigungslose deutsche Staatsbürgerin den Festspielintendanten mit Liebesbeteuerungen. Im Oktober 2003 soll sie ihn sogar körperlich attackiert haben. Die Bezirksgerichte Hamburg und Salzburg verboten der "Stalkerin" daher in einstweiligen Verfügungen, ihrem vermeintlichen "Geliebten" körperlich nahe zu treten. Doch noch heute wünscht sie sich "Kontakt mit ihm".

Zum dem Zeitpunkt, als die Frau den Brief an Ruzicka verfasst hatte, sei sie nicht zurechnungsfähig gewesen, attestierte Gerichtspsychiater Professor Bernhard Mitterauer. Falls sich die Betroffene, die an einer paranoiden chronischen Psychose leide und die sich derzeit in der Christian-Doppler-Klinik befinde, weiterhin nicht behandeln lasse, bestehe die Gefahr, dass sie ihre wahnhaften Ideen in die Tat umsetze. "Die Tat kann nicht stattfinden, weil mich der Verfassungsschutz eher umbringen würde, bevor ich das tun könnte", antworte die Frau darauf. (APA)

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