"Held spielen hat auch Grenzen"

17. Mai 2006, 10:01
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Was bedeutet Zivil­courage eigentlich? Und was ist eine rassistische Diskrimi­nierung? Die 7C des BG Maroltingergasse weiß es

Pia Ettenauer aus der 7C der Maroltingergasse war ein Diskriminierungsopfer. Zumindest in einem Rollenspiel in den Räumlichkeiten der 7C Maroltingergasse. Im Rahmen eines ZARA-Zivilcourage-Workshops spielte sie in einer theatralischen Übung ein türkisches Mädchen, dass in der U-Bahn von einem Mitfahrenden angepöbelt wird.

Trotz Fake im geschützten Klassenraum empfand Pia die Situation als "wirklich unangenehm". "Wir haben alle möglichen Lösungen ausprobiert, wie wir dem Mädchen – also mir – am besten beistehen können. Zuguterletzt haben mehrere "Fahrgäste" dem Täter gesagt, er solle aufhören und so musste er sich zurückziehen". Ein Ende, auf das vergleichbare reale Situationen nicht allzu häufig hinauslaufen, weiß Karin Bischof von ZARA, Verein für Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit. "Oft bleiben solche Situationen von den Mitfahrenden unkommentiert, weil sie einfach nicht wissen, wie sie am besten reagieren sollen."

Eine Portion Mut

Im Workshop mit der 7c zeigte Bischof mögliche Lösungen für diese und ähnliche Dilemmata auf. "Manchmal reicht es schon, wenn man sich zum Opfer setzt und somit dem Täter den Weg versperrt," bietet Bischof Varianten, eine derartige Situation aufzulösen, ohne in die direkte Konfrontation zu gehen. "Aber auch eine Ablenkung funktioniert oft, fragt man den Täter nach der Uhrzeit, kann das die Situation schon unterbinden." In den inszenierten Szenen machten die SchülerInnen aber auch die Erfahrung, dass eine einzelner Helfender oft selbst zum Angegriffenen wurde. "Besser ist es, wenn sich mehrere solidarisieren."

Trainings für Zivilcourage

Seit einem halben Jahr bietet ZARA mit der Aktion "Unternehmen schenken Zivilcourage" Zivilcourage-Trainings für Kinder und Jugendliche. In Rollenspielen, bei Körpersprachübungen, Diskussionen oder Arbeitsaufgaben soll ein Bewusstsein dafür geschaffen werden, welche Rolle man persönlich bei der Vermeidung von rassistischen Angriffen spielen kann. Wirtschaftstreibende übernehmen "Patenschaft" für die Workshops und damit die Finanzierung, unterstützt wird das von ZARA entwickelte Trainingsmodell von Nobelpreisträgerin Elfriede Jelinek.

"Jeder hat Erfahrungen mit Diskriminierungen, ist selbst diskriminiert worden, hat diskriminiert oder hat eine Diskriminierung beobachtet", erklärt Karin Bischof den Ansatz der Workshops. "Auf Basis dieser Erfahrungen arbeiten wir mit den Jugendlichen weiter." Dass auch Held spielen seine Grenzen hat, darüber ist sich Karin Bischof im Klaren. "In manchen Situationen ist es einfach besser, die Polizei zu rufen." (mhe)

Wirtschaftstreibende übernehmen "Patenschaft" im Wert von 700 Euro für die Zivilcourage-Workshops von ZARA

Links

ZARA-Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit

  • Rollenspiel in der 7c auf Basis von Augusto Boals "Theater der Unterdrückten", einer bewährten interaktiven Methode in der politischen Bildung.
    foto: christine lohwasser

    Rollenspiel in der 7c auf Basis von Augusto Boals "Theater der Unterdrückten", einer bewährten interaktiven Methode in der politischen Bildung.

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