Im Zeichen der Zwiebelschale

9. Dezember 2005, 17:00
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Seit nachweislich 1746 befasst man sich bei Langmann vulgo Lex mit Rebensaft. Seit rund 30 Jahren steht Schilcher, der eigenständige Rosé der Weststeiermark, im Zentrum des Interesses

Dass der Hofname "Lex" mit aufs Etikett kam, dient vor allem der Unterscheidung. Denn Langmann ist ein nicht gerade rarer Familienname in St. Stefan ob Stainz. Und einige der "Langmänner" befassen sich mit Schilcher, dessen Farbe im Idealfall an die Schale von Zwiebeln erinnert und der laut Gesetz nur in der Weststeiermark aus der Blauen Wildbachertraube gemacht werden darf.

Diese Familie Langmann lotet die Möglichkeiten des Schilchers in allen Facetten aus: "Und der Spielraum ist groß", so Stefan Langmann, Hauptverantwortlicher im Familienbetrieb, in dem neben den Eltern auch Ehefrau und Bruder mitarbeiten. Mehr als Dreiviertel der 16 Hektar Eigenflächen sind mit Blauem Wildbacher bestockt. Erzeugt werden Schilcher von trocken und leicht, über Lagenweine bis zu hohen Prädikatsstufen, die "ein besonders schönes Zucker-Säure-Spiel zeigen". Und weil sich Schilcher auch für Schaumweine besonders gut eignet, hat man eine eigene Sektkellerei errichtet, die heuer in Betrieb ging. "Wildbacher hat eine schöne Säure und die rotbeerige Frucht wird durch die Kohlensäure noch verstärkt", so Langmann.

Schilcher vom Hochgrail, einer der Edellagen der Region, sei in den 50ern unter der Bezeichnung "Hochgrailer Sonnenberg" bei Meinl zu haben gewesen, erzählt Langmann. Seit zehn Jahren werden daher die Lagen Hochgrail, Langegg und Greisdorf, deren Geschmackscharakteristiken dramatisch unterschiedlich sind, separat ausgebaut. Während Hochgrail eher ins Mineralische tendiert, seien die Johannisbeeraromen beim Langegg deutlicher.

Schilcher könne nicht "für die breite Masse" produziert werden, dazu gebe es einfach zu wenig (derzeit ca. 450 Hektar). "Aber wenn man draus tolle Qualität macht", könne man eine Nische finden, ist Langmann überzeugt. Auch die Haltbarkeit des Weines, der laut Lehrbücher jung zu trinken ist, sei bei physiologischer Vollreife kein Problem mehr. 2005 sei übrigens "wegen der kräftigen, vielschichtigen Frucht ein wunderschönes Schilcherjahr", so Langmann.

Dass Schilcher vor allem zur Brettljause passt, mag Langmann "gar nicht mehr hören". Denn Schilcher schmeckt auch ausgezeichnet zu Fisch oder als Prädikatswein zu Schimmelkäse. (Luzia Schrampf, DER STANDARD - Printausgabe, 14. Dezember 2005)

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Weingut Langmann
Langegg 23
8511 St.Stefan/Stainz
Tel. (0)3463/6100
Fax: (0)3463/6100-4
weingut@l-l.at

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von Viktor Siegl und Rudolf Steurer ausgewählt.
9,95 Euro
Verlag Carl Ueberreuter
Wien 2005

9. Teil:
Günter Triebaumer
Rust
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    grafik: standard
  • Stefan Langmann
    foto: weingut langmann

    Stefan Langmann

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