Verschlüsselung von Free-TV-Kanälen bleibt weiter Thema

22. Dezember 2005, 10:15
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Privatsender-Vertreter Doetz rechnet "fest damit" - Gemeinsames Vorgehen aller Anbieter, auch ARD und ZDF, nötig

Die Diskussion über eine mögliche Grundverschlüsselung der deutschen Privatsender nimmt kein Ende. Jürgen Doetz, Präsident des Verbands Privater Rundfunk und Telekommunikation (VPTZ) und früherer Sat.1-Manager, geht davon aus, dass sowohl die privaten als auch die öffentlich-rechtlichen Anbieter künftig ihre digitalen Programme verschlüsseln werden. "Die Meinungen gehen zwar im VPRT auseinander, aber ich rechne fest damit, dass die Grundverschlüsselung kommen wird", sagte er dem Branchendienst "Medienbote".

Schritt

Würden sich die deutschen Sender zu diesem Schritt entschließen, könnten die Zuschauer die Programme nur mit einer so genannten Smart Card entschlüsseln und empfangen. In der Folge würde dies die Entstehung neuer Pay-TV-Angebote sowie die Einhebung einer Gebühr ermöglichen. Vor einigen Wochen hatten deutschen Medien berichtet, dass entsprechende Pläne bei der ProSiebenSat.1-Gruppe und der RTL-Familie schon weit gediehen seien. Erstere dementierte dies daraufhin.

Alleine

Doetz schätzt dies im Gespräch mit dem "Medienboten" allerdings als "Alleingang" von ProSiebenSat.1-Vorstandschef Guillaume de Posch ein, der in Zusammenhang mit dem laufenden Kartellverfahren zur Übernahme der Gruppe durch den Axel-Springer-Konzern stehe. Nötig sei in der Frage ein gemeinsames Vorgehen aller Anbieter: "Eine Grundverschlüsselung kann nur funktionieren, wenn alle sich daran beteiligen". ARD und ZDF würden derzeit einen solchen Schritt zwar öffentlich ablehnen, aber "werden eines Tages nicht daran vorbei kommen können".

Sonderproblem

Sollten die deutschen Privaten ihre Verschlüsselungsüberlegungen in die Tat umsetzen, so könnte sich für Österreich ein Sonderproblem ergeben. Der ORF verschlüsselt zwar sein digitales Angebot aus rechtlichen Gründen schon seit dem Start im Jahr 2000, setzt dabei aber auf das System Cryptoworks. RTL & Co könnten dagegen Medienberichten zufolge das Verschlüsselungssystem Nagravision des Pay-TV-Senders Premiere verwenden.

Schon 470.000 österreichische Haushalte werden vom öffentlich-rechtlichen Sender digital via Cryptoworks versorgt. Deutlich weniger Österreicher beziehen Pay-TV-Teile des Premiere-Programm-Bouquets über Nagravision. Das Verhältnis beträgt in etwa vier zu eins. (APA)

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