Schweizer Presserat kritisiert "Weltwoche"

21. Dezember 2005, 11:31
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"Kommentieren ja, aber nur auf korrekte Fakten gestützt"

Der Schweizer Presserat hat eine Beschwerde gegen die Wochenzeitung "Weltwoche" gutgeheißen. Medienschaffende dürfen in einem Kommentar harsche Kritik üben - aber nur, wenn sie sich auf korrekte Fakten stützen. Die "Weltwoche" habe dieses Prinzip verletzt.

Die "Weltwoche" schrieb in ihrer Ausgabe von 10. Februar in der Rubrik "Personenkontrolle" über die Nahost-Korrespondentin der "Aargauer Zeitung" und der "Basler Zeitung". Ihr wurde vorgeworfen, einen propagandistischen Bericht über den Israel-Besuch von Außenministerin Micheline Calmy-Rey verfasst zu haben, wie aus einer am Dienstag veröffentlichten Stellungnahme des Presserates hervorgeht.

Die "Weltwoche" schrieb, dass die Korrespondentin mit einen Diplomatenpass im Tross der Bundesrätin reisen durfte, weil sie mit einem leitenden Angestellten von Calmy-Rey verheiratet sei. Die Journalistin sei somit zur Propaganda-Abteilung des Außendepartementes zu zählen.

Falsche Aussage

Der Presserat hält in seinen Erwägungen fest, dass der Vorwurf einer bevorzugten Behandlung der Journalistin durch das Außenministerium nicht belegt sei. Auch sei die Aussage falsch, dass die Journalistin mit einem Diplomatenpass gereist sei.

Zudem wäre die "Weltwoche" auch bei der eher augenzwinkernden Rubrik "Personenkontrolle" verpflichtet gewesen, die Betroffene anzuhören und ihre Stellungnahme zumindest kurz wiederzugeben, hält der Presserat weiter fest. Für eine Journalistin sei der Vorwurf der Interessenkollision und der Unabhängigkeit schwerwiegend.

Der Vorwurf der Propagandatätigkeit wäre aus Sicht des Presserates berufsethisch dann zulässig, wenn er sich bloß auf eine allzu positive Berichterstattung der Journalistin gestützt hätte. Hingegen gehe es nicht an, eine kommentierende Wertung auf unrichtige Tatsachen zu stützen. (APA)

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