Chirac will Gedenktag für Opfer der Sklaverei einführen

22. Dezember 2005, 13:26
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Debatte durch Unterrichtsgesetz über positive Rolle Frankreichs als Kolonialmacht ausgelöst

Paris - Vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Debatte über die koloniale Vergangenheit Frankreichs will Staatspräsident Jacques Chirac einen Gedenktag für die Opfer der Sklaverei einführen lassen. Frankreich habe nach der Revolution als erstes Land weltweit die Sklavenhaltung gesetzlich als Verbrechen gegen die Menschlichkeit eingestuft, sagte der Staatspräsident der Tageszeitung "Le Parisien" (Dienstag-Ausgabe), der auf die Fragen von Lesern geantwortet hatte.

"Die Sklaverei wird von vielen Mitbürgern, besonders in Übersee, als persönliche Verletzung empfunden", unterstrich der Präsident in Anspielung auf eine abgesagte Reise von Innenminister Nicolas Sarkozy in die Karibik. Der Absage waren Proteste gegen ein (von der bürgerlichen Parlamentsmehrheit durchgedrücktes) umstrittenes Unterrichtsgesetz über die positive Rolle Frankreichs als Kolonialmacht vorausgegangen. Empört hatten Franzosen nicht-weißer Hautfarbe auch auf die Feiern zum 200. Jahrestag des Sieges von Napoleon bei Austerlitz reagiert, weil der Kaiser der Franzosen 1802 in den Übersee-Gebieten die Sklaverei wieder eingeführt hatte.

Ein Wahlrecht für Ausländer in Frankreich lehnte der Staatspräsident ab, da auch bei Gemeindewahlen, "das Wahlrecht mit der Staatsangehörigkeit verbunden" sei. "Wer wählen will, kann Franzose werden", sagte Chirac. (APA/dpa)

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