Internet-Anleitung zum Selbstmord: Deutscher in Salzburg vor Gericht

21. Dezember 2005, 10:09
5 Postings

150 Stück Tabletten per Post zugeschickt - Selbstmordversuch eines 23-Jährigen scheiterte - Prozess vertagt

Über eine einschlägige Internetplattform sandte ein 22-jährige Deutscher einem Landsmann detaillierte Anleitungen zum "sicheren Selbstmord" und übermittelte per Post die geeigneten Medikamente dazu. Der 23-jährige Lebensmüde wollte sich im Juni 2004 tatsächlich umbringen. Seine Eltern retteten ihn in letzter Sekunde. Der Angeklagte Andreas H. zeigte sich am Dienstag zum Vorwurf der versuchten "Mitwirkung am Selbstmord" vor einem Salzburger Schöffengericht geständig. Der Prozess wurde zur Einholung eines psychiatrischen Gutachtens vertagt.

"Schneemann 83"

Unter dem Pseudonym "Schneemann 83" hatte der bisher unbescholtene Mann aus Ludwigshafen, der schon seit langem im Salzburger Flachgau wohnt, sein späteres Opfer in einem einschlägigen Chatroom Ende 2003 kennen gelernt. Auf Wunsch gab ihm Andreas H. im Frühjahr 2004 exakte Anweisungen, wie er die Tabletten einnehmen solle, damit der Tod auch wirklich eintritt. Zuerst sollte man noch Alkohol zu sich nehmen, lautete sein Tipp. "Wenn du wirklich sterben willst, dann wird es klappen."

150 Stück Antidepressiva

Die rezeptpflichtigen Medikamente, 150 Stück Antidepressiva und Beruhigungsmittel, "schickte der 22-Jährige am 26. Februar 2004 per Post nach Deutschland und stellte seiner Internetbekanntschaft dafür 300 Euro in Rechnung", erläuterte Staatsanwalt Andreas Pechatschek. "Ja, ich bekenne mich schuldig. Ich habe es aus Mitleid getan, weil ich es aus eigener Erfahrung weiß, wie es einem geht, wenn man nicht mehr leben mag", erläuterte der Angeklagte, der bereits in mehreren Kliniken in psychiatrischer Behandlung war, dem Vorsitzenden Richter Peter Hattinger.

Illegal

Dass Andreas H. mit Medikamenten einen illegalen Handel betrieben habe, stellte die Verteidigerin vehement in Abrede. Der Angeklagte meinte, er habe nur dem 23-Jährigen Medikamente geschickt, und zwar solche, die ihm selbst verschrieben wurden, die aber übrig geblieben waren. Da er damals unter massivem Drogen-, Alkohol- und Medikamenteneinfluss gestanden sei und täglich im Schnitt zehn bis 15 Tabletten eingenommen hätte, wüsste er gar nicht mehr, was er im Chatroom alles geschrieben habe. "Ich weiß, dass ich eine Persönlichkeitsstörung habe. Momentan geht es mir besser, ich gehe auch wieder arbeiten."

Zurechnungsfähigkeit

Die Verteidigung stellte seine Zurechnungsfähigkeit zum Tatzeitpunkt in Frage und beantragte die Einholung eines Gutachtens. Dem Angeklagten drohen bis zu fünf Jahre Haft. Wegen des Vorwurfs des illegalen Medikamentenhandels, der in Österreich nur verwaltungsrechtlich strafbar ist, wird der Mann von der deutschen Staatsanwaltschaft gesondert verfolgt. Der Computer des Deutschen wurde Anfang dieses Jahres von Salzburger Kriminalbeamten beschlagnahmt. (APA)

Share if you care.