Gesetz über Lohngleichheit der Geschlechter in Frankreich

20. Dezember 2005, 09:01
posten

Frauen sollen in fünf Jahren 20-prozentigen Gehaltsrückstand aufholen - Sozialisten und Kommunisten stimmten dagegen

Paris - Die französischen Parlamentsabgeordneten haben in zweiter Lesung einen Gesetzestext gebilligt, der die Lohngleichheit zwischen Mann und Frau binnen fünf Jahren vorsieht. Für den Entwurf, der im Jänner noch den Senat passieren muss, stimmten die konservativ-liberalen Regierungsparteien UMP und UDF, während die oppositionellen Sozialisten (PS) und Kommunisten (PCF) dagegen votierten.

"Dieses Gesetz macht unserem republikanischen Ideal Ehre. Die Gleichheit ist einer unserer Gründungswerte", betonte die delegierte Gleichheitsministerin Catherine Vautrin.

Nach Angaben Vautrins betragen die Gehaltsunterschiede zwischen Mann und Frau in Frankreich bei gleicher Qualifikation und gleicher Arbeitszeit etwa 20 Prozent zu Ungunsten des weiblichen Geschlechts. Sie erinnerte weiter daran, dass die weibliche Arbeitslosenrate im Vorjahr elf Prozent erreichte, während die männliche neun Prozent betrug. Von den 8,4 Mio. Arbeitnehmern, die weniger als den gesetzlichen Mindestlohn Smic verdienen, sind nach den Angaben 80 Prozent Frauen.

Opposition kritisiert Gesetz als "unpräzise"

Die Linksopposition begründete ihre Ablehnung damit, dass die Gesetzesvorlage "unpräzise" sei und keine bestimmten Zielsetzungen im Bereich der geschlechtlichen Gleichstellung am Arbeitsmarkt beinhalte.

Um diese Gleichheit zu erreichen, ermutigt das Gesetz die Verhandlungen zwischen den Sozialpartnern und sieht in drei Jahren eine nationale Konferenz vor, bei der Bilanz gezogen werden soll. Erst dann wird auf Grund der Ergebnisse entschieden, ob ein weiteres Gesetz im Fall von Verstößen auch Sanktionen einführen soll.

Das Gesetz sieht weiter vor, dass in den Verwaltungsräten der öffentlich-rechtlichen Betriebe und der Aktiengesellschaften mindestens 20 Prozent Frauen vertreten sein müssen. Vorgesehen sind auch zahlreiche Maßnahmen, um die Rückkehr der Frauen in die Arbeitswelt nach dem Mutterschaftsurlaub zu erleichtern.

So soll etwa eine Frau nach dem Mutterschaftsurlaub von der durchschnittlichen Gehaltserhöhung in der Periode profitieren. Betriebe mit weniger als 50 Angestellten erhalten einen Beitrag von 400 Euro, um schwangere Frauen während der Zeitspanne zu ersetzen (APA)

Share if you care.