Rekordanstieg bei minderjährigen Häftlingen

22. Dezember 2005, 13:26
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Um 26,8 Prozent innerhalb des Monats November - Juristenverbände fürchten Stigmatisierung nach Krawallen

Paris - Die dreiwöchigen Unruhen haben in Frankreich einen Rekordanstieg bei der Zahl von Minderjährigen in den Gefängnissen gebracht. Wie die staatlichen Strafvollzugsbehörden Montagabend mitteilten, waren Ende November 808 minderjährige Gefangene in französischen Strafanstalten untergebracht. Dies seien 26,8 Prozent mehr als noch Anfang des Monats und die höchste Zahl seit Juli 2003. Der Anteil von Jugendlichen an allen Gefangenen erreichte 1,4 Prozent.

Französische Juristenverbände kritisierten, dass der Staat keine alternativen Strafen bei Minderjährigen aussprechen können. Diese würden durch den Gefängnisaufenthalt "stigmatisiert" und außedem als "gefährlich" eingestuft, während sie vielmehr selbst "gefährdet" seien.

Der zahlenmäßige Anstieg der jugendlichen Häftlinge sei "Folge der jüngsten Ereignisse" in den Vorstädten, erklärten die Strafvollzugsbehörden. Das Justizministerium in Paris hatte vergangene Woche die zuständigen Behörden aufgefordert, die Entlassungsvorbereitung der wegen der Unruhen inhaftierten Minderjährigen nicht zu vernachlässigen.

Diese müsste bei der Rückkehr in die Freiheit durch Wiedereingliederungsprogramme begleitet werden; Ziel müsse es sein, Rückfälle zu verhindern. Insgesamt stieg die Zahl aller Inhaftierten im November um zwei Prozent auf 59.241. Frankreichs Gefängnisse sind chronisch überbelegt. Zuletzt kamen auf 100 Haftplätze im Durchschnitt 115,7 Gefangene. (APA)

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