"Vielleicht ein Bibel-Zitat" auf dem Steffl

30. Dezember 2005, 15:44
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Dompfarrer lenkt ein - Stenzel gegen Werbung am Dom und "Gegröle einer jugendlichen Subkultur"

Nach der Kritik der designierten City-Bezirksvorsteherin Ursula Stenzel (V) an den Werbeplakaten am Wiener Stephansdom kündigt Dompfarrer Toni Faber Änderungen an. Eine gänzliche Entfernung werde nicht in Frage kommen, erklärte er laut Medienberichten. Stenzel hatte kritisiert, die "Litfaßsäule am Turm" sowie die Punschhütte des Domrettungsvereins seien unsäglich und sollten verschwinden.

"Vielleicht ein Zitat aus der Bibel"

"Wir wollten ohnehin ein neues Plakat gestalten", sagte Faber im "Kurier" (Mittwoch-Ausgabe). Gegenüber wienweb.at meinte er: "Vielleicht einigt man sich ja auf ein Zitat aus der Bibel." Im Übrigen verwies er auf die noch ein Jahr lang laufenden Werbeverträge. Dann soll die Sanierung des Südturms abgeschlossen und die Werbung am Baugerüst Vergangenheit sein.

Zur Punschhütte, an der traditionellerweise die Politprominenz im Advent zum karitativen Getränkeausschank antritt, erklärte der Pfarrer: "Der Punschstand ist bewilligt, und uns liegt viel daran, ihn in Zukunft schöner und ästhetischer zu gestalten."

Ursula Stenzel, die kommende Woche als neue Bezirksvorsteherin der Inneren Stadt angelobt wird, kündigte am Dienstag an, gegen die Werbeplakate am Wiener Stephansdom, aber auch gegen die Punschhütte des Domrettungsvereins vorzugehen. Auch lärmende Jugendliche am Rudolfsplatz sind ihr ein Dorn im Auge, wie sie im APA-Interview erklärte.

"Eigentlich unsäglich"

"Sowohl die Litfaßsäule am Turm, als auch dieses Standel, das zu einer Dauereinrichtung wurde, ist eigentlich unsäglich. Das sollte verschwinden, nicht wahr", so Stenzel, die in Sachen Steffl auf vielfach an sie herangetragene Klagen von Bürgern verweist. Die Sanierung mittels Werbung zu finanzieren sei legitim, aber sie müsse nicht unbedingt am Dom hängen: "Ich werde versuchen, dass vor Weihnachten hier eine Änderung geschaffen wird." Stenzel wünscht sich eine Fassadenspiegelung am Gerüst des Südturms und rechnet mit dem Verständnis von Dompfarrer Toni Faber.

Wiener Innenstadt verkomme zum "Eventcenter"

Generell bemängelt Stenzel, dass die Wiener Innenstadt zum "Eventcenter" verkommen sei. "Vor 20 Jahren war Belebung angesagt, jetzt ist Beruhigung angesagt", so die Politikerin. Die Kritik an ihrer Position lässt sie nicht gelten: "Ich will keine Friedhofsruhe in der Stadt, ich will keine elitäre Innere Stadt. Nur, die Innere Stadt ist etwas Einmaliges und Besonderes, und diesen Charakter gilt es zu bewahren." In Sachen Sonntagsöffnung und Tourismuszone gibt sich Stenzel "undogmatisch", auch wenn sie im EU-Parlament immer für die Sonntagsruhe gestimmt habe.

Nicht recht ist ihr dagegen, dass die Anrainer des Rudolfsplatzes oder im Bermuda-Dreieck "durch Gegröle von einer jugendlichen Subkultur, die angezüchtet wird durch Kneipen, die Alkohol in Meterware ausschenken", leiden müssten. Kritik übt sie auch an unpassenden Dachausbauten und Geschäftsportalen, und dass man hinter der Oper "zuerst im Freien die Starbucks-Kaffee-Schirme sieht, und dahinter versteckt erst das Cafe Sacher", sei auch nicht einzusehen.

Bürgerbefragung

"Ich möchte das korrigieren, sofern ich eingreifen kann", so die Politikerin, die vor wenigen Jahren in die Innenstadt gezogen ist, "weil ich das Flair liebe und das Städtische". Für den "politischen Nahkampf" hält sie sich für gerüstet, denn "jeder Bürger, der hier lebt, hat kommunalpolitische Erfahrung". Außerdem habe sie sich umfassend eingearbeitet. Ihr EU-Mandat will Stenzel "so bald wie möglich" nach ihrer Angelobung am 22. Dezember zurücklegen. Die vollen drei Monate Übergangsfrist werde sie sicher nicht ausschöpfen.

Sehr bald will Stenzel auch eine Bürgerbefragung über die umstrittene Tiefgarage am Neuen Markt durchführen. "Die Innere Stadt ist hervorragend zu erreichen, ob mit der U-Bahn, dem Taxi oder zu Fuß. Da muss ich nicht alles mit dem Auto zurücklegen", so Stenzel in Sachen Verkehr. Sie will auch die Touristenbusse nicht mehr zum Stephansplatz, sondern deren Benutzer zu Fuß durch die Wollzeile ins Zentrum locken.

Einen Garagenplatz für sich selbst zu haben, ist für Stenzel - anders als von ihren politischen Gegnern behauptet - kein Thema. Schließlich habe es für sie noch ein weiteres Motiv für die Übersiedlung von Ober St. Veit ins Zentrum gegeben: "Ich wollte unabhängig sein vom Auto." (APA)

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