Muzicant: Vorladung des Botschafters nicht ausreichend

15. Dezember 2005, 16:35
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IKG-Präsident: Äußerungen des iranischen Präsidenten unerträglich - Israel könnte "selbst die nötigen Schritte setzen"

Wien - Für den Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde (IKG), Ariel Muzicant, müssen der Empörung über die wiederholten antiisraelischen Angriffe des iranischen Staatspräsidenten Mahmoud Ahmadinejad Taten folgen. "Da genügt es nicht, den jeweiligen iranischen Botschafter vorzuladen", erklärte Muzicant am Dienstag in Wien in einer Aussendung. Am vergangenen Freitag war der Botschafter der Islamischen Republik Iran, Seyed Mohsen Nabavi, ins Außenamt zitiert worden, dessen Generalsekretär, Botschafter Johannes Kyrle, die in den Medien verbreiteten Äußerungen des iranischen Staatsoberhauptes mit Bezug auf Israel "mit aller Entschiedenheit" zurückgewiesen hatte.

Der IKG-Präsident erinnerte daran, dass der iranische Präsident bereits vor einigen Wochen "Israel von der Landkarte tilgen" wollte und nunmehr in Mekka Israel als "Krebsgeschwür" bezeichnet und zugleich empfohlen hat, die Juden nach Österreich und Deutschland zu übersiedeln, um den Nahost-Konflikt "an der Wurzel zu packen". "Empörte Reaktionen in Europa, den USA und der UNO haben Herrn Ahmadinejad nicht beeindruckt, im Gegenteil. Er scheint diese absurden Vorschläge ernst zu meinen, und wir können sicher sein, dass noch weitere Erklärungen folgen werden", unterstrich Muzicant.

"Unter diesen Voraussetzungen führen EU-Vertreter ab 21. Dezember neuerliche Gespräche, um das Atomprogramm des Iran in kontrollierte Bahnen zu lenken. Wie man mit einem solchen Extremisten glaubwürdig verhandeln kann, mögen die Verhandler der Öffentlichkeit erklären. Aber es ist die Verantwortung Europas, rasch der Empörung Taten folgen zu lassen. Da genügt es nicht, den jeweiligen iranischen Botschafter vorzuladen. Vielmehr müsste der iranischen Bevölkerung durch Maßnahmen signalisiert werden, dass die gesamte Welt gegen eine solche Politik steht und diese nicht zulässt. So könnte der Iran von allen kulturellen und sportlichen Aktivitäten (z.B. Fußball-WM) ausgeschlossen werden, es könnten Flugverbindungen in den Iran eingestellt werden und der Iran könnte aus der WTO ausgeschlossen werden."

"Sollten die Europäer nicht zu Taten übergehen und sich weiterhin auf Verurteilungen und Empörung beschränken, wird Israel die Initiative in die Hand nehmen und selbst die nötigen Schritte setzen. Nach der Schoah und nach der Ermordung von Millionen Juden in den letzten 2000 Jahren ist es das gute Recht des jüdischen Staates, sich gegen die Ahmadinejads dieser Welt zur Wehr zu setzen. Dass in einem solchen Fall der ganze Nahe Osten aber auch die ganze Welt in eine Krise gestürzt werden, braucht nicht erwähnt zu werden. Es liegt daher an Europa, ein solches Szenario zu verhindern", heißt es in der Stellungnahme des Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde, die auch in der Dienstag-Ausgabe der "Wiener Zeitung" abgedruckt wurde. (APA)

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