Anschlag auf Syrien-Kritiker scharf verurteilt - UNO "zutiefst besorgt"

14. Dezember 2005, 15:23
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Bush: "Unterjochung Libanons unter syrische Vorherrschaft"

New York/Beirut - Der Weltsicherheitsrat hat die Ermordung des libanesischen Abgeordneten und Syrien-Kritikers Gibran Tueni aufs Schärfste verurteilt. Zugleich zeigte sich der Rat am Montagabend in New York "zutiefst besorgt" über den destabilisierenden Effekt des Bombenanschlags. US-Präsident George W. Bush sprach von dem Versuch einer "Unterjochung Libanons unter syrische Vorherrschaft". Die Gewalttat ziele darauf ab, "die Presse Libanons zum Schweigen zu bringen", hieß es in der am Montagabend in Washington verbreiteten Erklärung des US-Präsidenten.

"Symbol für Freiheit des Libanon

Der 48-jährige Journalist und Abgeordnete Tueni war am Montagmorgen östlich von Beirut in seinem Auto durch eine am Straßenrand deponierte Bombe getötet worden. Mit ihm starben mindestens drei weitere Menschen, mehr als zehn wurden zum Teil schwer verletzt.

Nur Stunden nach dem Anschlag war der Weltsicherheitsrat zu Beratungen zusammengekommen. Anschließend verurteilte der britische Ratspräsident Sir Emyr Jones Parry das Attentat in einer formalen Stellungnahme auf das Schärfste. "Tueni war ein Symbol für politische Unabhängigkeit und Freiheit und ein offener Kritiker der syrischen Einflussnahme auf Libanon", sagte Sir Emyr im Namen der 15 Ratsmitglieder. Mit dem Anschlag hätten die Täter und ihre Drahtzieher Sicherheit, Stabilität, Souveränität, nationale Einheit und die politische Unabhängigkeit des Libanon treffen wollen.

Bush: "Unterjochung Libanons unter syrische Vorherrschaft"

Bush sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus. Tueni habe wie viele andere tapfere Libanesen auch gewusst, dass sein Einsatz für die Freiheit gefährlich sei, so Bush. "Ungeachtet dieser Gefahren für sein Leben ist er am Tag vor seiner Ermordung nach Libanon zurückgekehrt, um seine Arbeit zur Förderung von Freiheit und Demokratie in seinem Land fortzusetzen." US-Außenministerin Condoleezza Rice forderte die syrische Führung auf, ihre "Einmischung in libanesische Angelegenheiten" zu beenden.

Annan: "Kaltblütiger Mord"

Zuvor hatte UN-Generalsekretär Kofi Annan das Attentat bereits als "kaltblütigen Mord" auf das Schärfste verurteilt. "Dieser hinterhältige Anschlag ist der jüngste in der hinterhältigen Kampagne gegen libanesische Bürger, Journalisten, politische Führer und ihr Recht auf Meinungsfreiheit", erklärte Annan.

Tueni soll am Mittwoch in Beirut beigesetzt werden, wie seine Angehörigen mitteilten. Die Totenmesse soll in der griechisch-orthodoxen Kirche im Zentrum der libanesischen Hauptstadt stattfinden.

Die libanesische Regierung wird die UNO offiziell um Hilfe bei den Ermittlungen zu der Serie von Morden und Mordversuchen an Syrien-kritischen Politikern bitten, die den Libanon seit mehr als einem Jahr erschüttert. Wie Informationsminister Ghasi Aridi am Montagabend mitteilte, will Beirut den UN-Sicherheitsrat ersuchen, das Mandat der Sonderkommission, die derzeit noch von dem Deutschen Detlev Mehlis geleitet wird, entsprechend zu erweitern. Die Kommission untersucht den Mord an dem früheren libanesischen Regierungschef Rafik Hariri.

Am Montag war dem Weltsicherheitsrat der neue Bericht von UNO-Sonderermittler Detlev Mehlis zum Mord an dem ehemaligen libanesischen Ministerpräsidenten Rafik Hariri im Februar dieses Jahres zugestellt worden. Darin heißt es, die Ermittlungen in den vergangenen zwei Monaten hätten den Verdacht untermauert, dass der syrische Geheimdienst für den Bombenanschlag mitverantwortlich war. Der Sicherheitsrat wollte an diesem Dienstag über den Untersuchungsbericht beraten. (APA/dpa)

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