Polnische Probleme mit britischem Humor

19. Dezember 2005, 15:26
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Geschäftsträger in Warschau sorgte mit undiplomatischen Äußerungen für Affäre - Außenminister Straw empfiehlt im Streit um die EU-Finanzen Sinn für Humor

Brüssel - Wenn der Streit der Regierungen um die künftige Finanzierung der EU zu toll getrieben wird, hilft nach Ansicht des britischen Außenministers Jack Straw nur noch Humor. "Es ist sehr wichtig, immer einen Sinn für Humor zu haben, insbesondere in diplomatischen Angelegenheiten," kommentierte Straw den durch einen britischen Zeitungsartikel bekannt gewordenen Streit zwischen London, Paris und Warschau über offensichtlich sehr undiplomatische Äußerungen zum EU-Finanzstreit, die der britische Botschafter in Polen an seine Regierung übermittelte.

So hatte Londons Vertreter in Warschau, Botschafter Charles Crawford, laut einem Bericht der "Sunday Times" per E-Mail nach London geschrieben, die Haltung des französischen Staatspräsidenten Jacques Chirac im Finanzierungsstreit sei "verantwortlich für den Hunger in Afrika".

Crawford habe dies damit begründet, dass Paris dafür Sorge trage, mit ineffizienten EU-Agrarsubventionen die "aufgeblähten" französischen Bauern zu "mästen". Auch die Haltung der polnischen Regierung habe eine ungebührliche Bewertung bekommen.

Crawford spielte seine Bemerkungen gegenüber der Zeitung als einen Witz herunter, der nicht als Beleidigung gedacht gewesen sei. Die Regierung wollte Crawford trotzdem wegen der Äußerungen ins Außenamt zitieren - "um den britischen und polnischen Sinn für Humor zu vergleichen," wie ein Ministeriumssprecher sagte. Wieweit auch Paris Humor versteht, blieb offen: Eine offizielle Stellungnahme zu dem Vorfall gab es zunächst nicht. (APA)

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