Österreich: Nur wenige Pläne für den schlimmsten Fall

28. Dezember 2005, 13:09
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Die heimischen Tanklager sind aber technisch besser gegen Brände geschützt, sagt die OMV

Das Worst-Case-Szenario in Österreich liegt nahe: Ein Flugzeug gerät in technische Schwierigkeiten und stürzt beim Anflug auf Wien-Schwechat in die nahe gelegene Raffinerie der OMV - Explosionen lassen noch in Wien die Fensterscheiben zerbersten, die schmierige schwarze Wolke breitet sich bis nach Ungarn aus. Reden will man über diese Vorstellung aber nur ungern, weder beim Mineralölkonzern noch im Innenministerium, das für die Koordination des staatlichen Katastrophenschutzmanagements zuständig ist.

"Vorgefertigte Krisenhandbücher machen bei uns wenig Sinn, da es immer auf die speziellen Umstände ankommt", betont etwa Rudolf Gollia, Sprecher des Innenministeriums. "Bei einer Explosion in Schwechat hängt es beispielsweise vom Wetter ab, welche Gebiete zu räumen sind, und welche Stoffe in die Umwelt gelangen", erläutert er.

OMV: Vergleichbare Katastrophe "schwer vorstellbar"

Auch OMV-Pressesprecher Thomas Huemer gibt sich zugeknöpft. Interne Szenarien gebe es zwar, die wolle man aber nicht an die Öffentlichkeit bringen. Stattdessen geht er davon aus, dass in den vier österreichischen Tanklagern seines Unternehmens (siehe Grafik) eine Katastrophe wie in London schwer vorstellbar ist. "Unser integriertes Sicherheitssystem ist vorbildlich. Jeder Tank hat eine integrierte Löschvorrichtung, innerhalb von zehn Minuten kann er einen Meter unter Löschschaum gesetzt werden." Sowohl Wasser als auch Löschschaum seien vor Ort ausreichend vorhanden, in der Raffinerie Schwechat seien beispielsweise ständig 200.000 Liter des Schaums parat.

Doch was, wenn die Betriebsfeuerwehr die Flammen nicht unter Kontrolle bringt? "Wir führen einmal pro Jahr eine Großübung durch, bei der auch die staatlichen Stellen eingebunden sind, um den Ablauf zu überprüfen", betont Huemer. Denn die Kommunikationskette ist lang: Zunächst muss bei einer Katastrophe die Bezirksbehörde verständigt werden, die sich an die Landesstellen wendet, ehe bei einer Großkatastrophe das Innenministerium zur Koordinierung eingeschaltet wird. Dazu kommt noch der Koordinationsausschuss des Staatlichen Krisen- und Katastrophenmanagements (SKKM), in dem die Vertreter betroffener Ministerien und Einsatzorganisationen sitzen.

Ab 1. Jänner haben es die Bundesbeamten zumindest etwas praktischer: Dann nimmt das Einsatz- und Krisenkoordinationscenter (EKC) im Innenministerium seinen Betrieb auf. Dort kann die Lage zentral analysiert und die Öffentlichkeit informiert werden, verspracht Innenministerin Liese Prokop bei der Einweihung am Montag. (DER STANDARD-Printausgabe 13.12.2005)

Michael Möseneder
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