Wichtiger Zeuge im Fall El Masri offenbar nicht gehört

16. Dezember 2005, 09:52
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Mithäftling soll Aussage angeboten haben

Berlin - Deutsche Ermittler haben im Fall des aus dem Libanon stammenden Deutschen Khaled el Masri offenbar einen wichtigen Zeugen nicht gehört. Nach Angaben von El Masris Rechtsanwalt Manfred Gnjidic hatte sich im Sommer 2004 ein gebürtiger Jemenit namens "Ali" angeboten, in dem Strafverfahren auszusagen, wie die "Süddeutsche Zeitung" (Dienstagausgabe) berichtete.

Der Mann sei im selben Gefängnis wie El Masri bei Kabul in Afghanistan untergebracht gewesen, dort hätten beide Telefonnummern getauscht. Nachdem El Masri Ende Mai 2004 nach Deutschland zurückgekehrt war, habe sich der Mann telefonisch gemeldet und angeboten, über das Gefängnis und die Täter auszusagen, die El Masri und ihn gefangen gehalten und verhört hätten.

Gnjidic riet der Polizei dem Bericht zufolge im Juni 2004 nach eigenen Angaben, den Zeugen zu vernehmen. Die Polizei hatte Ermittlungen aufgenommen, nachdem sie vom deutschen Auswärtigen Amt gebeten worden war, den Fall zu klären. Die Staatsanwaltschaft München, die seit Juli 2004 die Ermittlungen führt, will laut "Süddeutscher Zeitung" zu dem Umgang mit "Ali" keinen Kommentar abgeben. Es handle sich um Details aus einem laufenden Verfahren. El Masri wurde nach eigenen Angaben zu Silvester 2003 an der Grenze zu Mazedonien entführt, nach Afghanistan verschleppt und dort vom US-Geheimdienst als Terrorverdächtiger verhört und misshandelt. Fünf Monate später kam er wieder frei.

"Liegen geblieben"

Anfang September 2004 habe der Anwalt auf Nachfrage bei der Polizei erfahren, die Sache mit dem Zeugen sei "liegen geblieben". Zwischenzeitlich hatte die Polizei bereits El Masris Geschichte für glaubwürdig befunden. Ende Oktober sprach Gnjidic das Thema dem Bericht zufolge erneut an. Er habe der Polizei geraten, den Zeugen unter einem Vorwand einzufliegen, um ihn in Deutschland befragen zu können. "Ali", der damals in Somalia lebte, sollte damit geschützt werden. Laut einer Gesprächsnotiz von Gnjidic soll ein Polizist im Oktober gesagt haben: "Das Landeskriminalamt und das Bundeskriminalamt sind nicht unbedingt begeistert, dass er herkommt." "Ali" wurde dem Bericht zufolge aber offenbar auch nicht in Somalia vernommen.

Im November 2004 soll El Masri versucht haben, "Ali" telefonisch zu erreichen, doch sei dies unter keiner seiner beiden Nummern gelungen, berichtete die Zeitung weiter. El Masri habe seitdem nichts mehr von seinem früheren Mithäftling gehört. (APA)

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