Wenn Mister Christmas der Queen zuprostet

19. Dezember 2005, 20:57
posten

365 Truthähne pro Jahr: Warum Andy Park jeden Tag Weihnachten feiert

Schade, dass sich die Herzogin von Cornwall nicht rührt. Sie wohnt ganz in der Nähe, wenn sie sich auf dem Lande erholt. Neulich hat Andy Park ihr eine Einladung geschickt, nicht gerade Goldrand, das nicht, dafür war die Karte mit roten Zipfelmützen verziert. "Camilla Parker Bowles steht auf meiner Wunschliste ganz oben", erzählt er. "Vielleicht wird's ja was."

Warum auch nicht, Andy hat ja gerade eine ungeahnte Glückssträhne. Wie immer mit Beginn der Adventszeit schickte der 45-jährige Elektrohändler neulich seine imposante Fressliste raus. Früher wurde sie oft ignoriert, diesmal aber stiegen die Medien voll darauf ein, bis hinunter nach Australien. "Mister Christmas" steht drüber, darunter eine Bilanz, die kleineren Gastwirten die Neidblässe ins Gesicht treiben dürfte: 365 verspeiste Truthähne pro Jahr, 8400 Stück Rosenkohl, 16.800 Erbsen, je 2016 Röstkartoffeln und Möhren, dazu 365 Flaschen Champagner und dieselbe Menge Sherry. Das meiste lässt sich Andy Park selbst schmecken, manchmal bewirtet er auch Gäste.

Promis zum Dinner

Gordon Banks war da, die Torwartlegende, Cliff Richard gab sich die Ehre. Janet, Andys Freundin, isst nur selten mit, eher lustlos. Caz, seine zwanzigjährige Tochter, findet die Völlerei peinlich, weil sich der ganze Ort das Maul zerreißt. Ergo ruhen alle Hoffnungen darauf, dass ihm sein zweijähriger Enkel Jamie bald Gesellschaft leistet.

Wie alles begann

Begonnen hat es an einem Tag voller Ärger. Park, der sich nach Episoden in einer Reifen- und einer Bettenfabrik selbstständig machte, fuhr Waschmaschinen und Kühlschränke aus. Als er einmal entnervt nach Hause kam, beschloss er, den Groll wegzufeiern – und einen Tannenbaum neben den Kamin zu stellen. Man schrieb den 14. Juli 1993.

Truthahn gab's von Anfang an, den Rest des Rituals hat "Herr Weihnachten" mit der Zeit perfektioniert. Nach dem Festmahl, Schlag drei, schiebt er ein Band in den Videorecorder, lauscht der Weihnachtsansprache der Queen, und sobald Elizabeth II fertig ist, erhebt er sich aus seinem Sessel und prostet ihr zu. Abends platziert er seine Gaben, mal unterm künstlichen, weißblättrigen Ahornbaum, mal unter der ebenso künstlichen Kiefer. "Ich bin immer noch total aufgeregt", sagt Park. Als Letztes schenkte sich der 45- Jährige ein goldenes Kettchen, davor war es eine Elektrogitarre, hin und wieder muss er sich mit Pralinen begnügen.

Jeden Tag Weihnachten, das hat natürlich so seine Tücken. Einmal war der Videorecorder falsch programmiert. Als Andy seiner Königin zuprosten wollte, waren die Simpsons drauf. Eigentlich keine schlechte Alternative, aber nicht für Mr Christmas, für den war es der Weltuntergang. Ein Boulevardblatt half ihm aus der Patsche, via Annonce: "Wanted! Die letzte Weihnachtsrede der Queen!"

Teurer Spaß

Eine Viertelmillion Pfund hat den Briten der Spaß bisher gekostet, aber die Geschäfte scheinen blendend zu laufen: Vor der Haustür parkt ein BMW der Luxusklasse. Und die Sache mit Camilla ist nur eine Notlösung. Erst hatte Andy Park den ganz großen Wurf geplant. Die Queen sollte am 25. Dezember nicht von Schloss Sandringham aus zur Nation reden, sondern in seinem Wohnzimmer in Melksham, Primrose Drive Nr. 10, vor die Kamera treten. Im Juni kam die Antwort aus dem Palast: "Eine großartige Idee, aber das ist leider nicht das, was wir machen." (DER STANDARD-Printausgabe 13.12.2005)

Frank Herrmann aus Melksham
  • Jöööö! Ein Goldketterl! "Mister Christmas" Andy Park ist vor der täglichen Bescherung immer sehr, sehr aufgeregt. Und das bereits seit mehr als zwölf Jahren.
    foto: herrmann

    Jöööö! Ein Goldketterl! "Mister Christmas" Andy Park ist vor der täglichen Bescherung immer sehr, sehr aufgeregt. Und das bereits seit mehr als zwölf Jahren.

Share if you care.