Klonpionier stellt sich Expertenkommission

14. Dezember 2005, 15:09
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Hwang Woo Suk wegen angeblicher Manipulation seiner Forschungs­ergebnisse in die Kritik geraten - US-Forschungspartner geht auf Distanz

Seoul - Der südkoreanische Klonpionier Hwang Woo Suk lässt seine Arbeit von einer Expertenkommission überprüfen, nachdem Zweifel an Ergebnissen seiner Stammzellforschung laut geworden waren. Die Untersuchungen sollen Fachleute der Hochschule leiten, an der Hwang selber arbeitet. Das kündigte die Seouler Nationaluniversität am Montag an. Hwang selbst, der zunächst wegen umstrittener Eizellspenden für seine Forschung in die Kritik geraten war, besuchte nach 18-tägiger Abwesenheit erstmals wieder für kurze Zeit sein Labor an der Seouler Universität.

Hwangs Gruppe hatte nach eigenen Angaben vom Mai erstmals Stammzellen aus geklonten Embryonen erkrankter Menschen isoliert. Die Forscher hoffen, so unter anderem eines Tages gezielte Stammzell-Therapien für schwer kranke Menschen entwickeln zu können. Es seien elf Stammzelllinien von elf geklonten Embryonen gewonnen worden, hatten die Forscher berichtet. Zweifel an den Aussagen wurden laut, nachdem sich einige veröffentlichte Fotos, die die elf verschiedenen Stammzellkulturen belegen sollten, als Duplikate erwiesen hatten. Hwang erklärte dies mit einem Irrtum. Vorwürfe der Manipulation von Forschungsergebnissen wies das Team zurück.

Rücktritt von allen öffentlichen Ämtern

Durch die Untersuchungen hoffen der 52-jährige Tiermediziner und seine Kollegen, dass alle kritischen Fragen bezüglich der Echtheit ihrer Stammzellforschung ausgeräumt werden. "Ich werde die Universität bitten, alle Facetten unserer Arbeit zu überprüfen", sagte Hwang, der in der vergangenen Woche wegen Erschöpfungserscheinungen im Krankenhaus gelegen hatte. Nach dem Besuch seines Labors kehrte er ins Krankenhaus zurück.

Hwang hatte im November eingestehen müssen, dass er entgegen internationalen Ethikstandards die Eizellspenden von zwei Mitarbeiterinnen für seine Forschung genutzt hatte. Auch wurden Eizellspenderinnen bezahlt. Der Forscher hatte seinen Rücktritt von allen öffentlichen Ämtern erklärt, seine wissenschaftliche Arbeit will er jedoch fortsetzen. Hwangs Team war es im vergangenen Jahr weltweit zum ersten Mal gelungen, Stammzellen von einem geklonten Embryo zu isolieren.

Forschungspartner auf Distanz

Der amerikanische Forschungspartner von Hwang Woo Suk hat sich unterdessen offiziell von einer gemeinsamen Veröffentlichung über geklonte menschliche Stammzellen distanziert. Gerald Schatten von der Universität von Pittsburgh bat das Fachjournal "Science", seinen Namen von der im Juni erschienenen Arbeit zurückzuziehen. Das berichtete der Rundfunksender NPR am Mittwoch in New York.

Schatten wirft Hwang vor, Teile der Studie manipuliert zu haben. Etliche Daten sähen "zu gut aus, um wahr sein zu können", äußerte Schatten in seinem Schreiben an den Herausgeber von "Science". Darüber hinaus habe er Zweifel an den Fotos der angeblich elf Stammzellenlinien, von denen die meisten Duplikate zu sein schienen. Die Studie in "Science" hatte weltweit Aufsehen erregt und galt als vielversprechender Ansatz zur Behandlung schwer kranker Patienten mit eigenem, aus embryonalen Stammzellen gewonnenem Gewebe. (APA/dpa)

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    Hwang Woo Suk

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