Stanley Williams: Hinrichtungsaufschub von Gericht abgelehnt

12. Dezember 2005, 21:53
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Schwarzenegger letzte Hoffnung für den verurteilten Mörder - Nur noch wenige Stunden bis zum Tötungstermin

San Francisco - Das Oberste Gericht im US-Staat Kalifornien hat einen Exekutionsaufschub für den verurteilten Mörder und Kinderbuchautor Stanley Tookie Williams am Sonntagabend (Ortszeit) abgelehnt. Nach Angaben der "Los Angeles Times" trafen die sechs Richter eine einstimmige Entscheidung. Der Gründer einer berüchtigten Straßengang und berühmteste Todeskandidat in den USA hofft derzeit noch auf eine Begnadigung durch Gouverneur Arnold Schwarzenegger.

Lehnt Schwarzenegger eine Umwandlung der Todesstrafe in lebenslange Haft ab oder schreitet nicht noch in letzter Minute ein Bundesgericht ein, wird Williams (51) in der Nacht auf Dienstag kurz nach Mitternacht Ortszeit (Dienstag 0901 MEZ) durch eine Giftspritze sterben. Der Gouverneur sprach am Wochenende von einer "sehr schwierigen" Entscheidung.

Aufschub beantragt

In der Nacht zum Sonntag hatten die Anwälte des Todeskandidaten einen Aufschub der Vollstreckung beantragt. Seine Verurteilung 1981 wegen vierfachen Mordes sei nicht rechtmäßig gewesen, hieß es in dem Antrag. Williams, der sich nun als Kinderbuchautor aus seiner Zelle heraus gegen Gewalt engagiert, hat die Mordtaten abgestritten. Komplizen hätten ihn fälschlicherweise beschuldigt.

Nach Angaben der "Los Angeles Times" haben Williams' Fürsprecher jetzt einen ehemaligen Gefängnisinsassen ausfindig gemacht, der bezeugen könne, dass die Polizei bei den Ermittlungen einen Häftling dazu brachten, in dem Mordprozess gegen Williams auszusagen.

Das Oberste Gericht in Kalifornien hatte bereits Ende November einen Exekutionsaufschub abgelehnt, den die Verteidigung mit dem Hinweis auf "schlampige gerichtsmedizinische Arbeit" bei den seinerzeitigen Ermittlungen beantragt hatte. Williams Anwälte stellen am Sonntag in Aussicht, als letzten Versuch erneut vor ein Berufungsgericht und das Oberste Gericht in Washington zu gehen.

Für Verschonung

Am Sonntag plädierten prominente Todesstrafengegner für eine Verschonung von Williams. Die katholische Nonne Helen Prejean, die mit dem verfilmten Buch "Dead Man Walking" als entschiedene Hinrichtungsgegnerin hervorgetreten ist, bezeichnete die Exekution eines in der Haft gebesserten Menschen als "paradox". Damit würde der Staat die gleiche Auge-um-Auge-Mentalität wie kriminelle Banden zeigen.

Williams hatte die "Crips"-Gang 1971 in Los Angeles gegründet, und hunderte Menschen starben im Zuge blutiger Straßenkämpfe mit der rivalisierenden Bande "Bloods". Seit er von seiner Zelle aus eine Kampagne gegen Gewaltanwendung startete und in einer Serie von Kinderbüchern den Nachwuchs vor einem Leben auf der schiefen Bahn warnte, wurde der Afroamerikaner sechs Mal für den Friedens- und vier Mal für den Literaturnobelpreis nominiert. (APA/dpa)

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