Weinbergschnecken für Geduldige

26. Dezember 2005, 12:50
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Käufer kann Wachstum seiner Tiere im Internet verfolgen. Am Ende werden sie gekocht und in Dosen versendet

Kurz vor den Festtagen kommt aus dem französischen Dorf Bernon eine Geschenkidee für Gourmets: Eine Herde von 120 Weinbergschnecken kann beim Züchter Daniel Petit erworben, dann monatelang per Internet bei ihrem stetigen Wachstum beobachtet und schließlich gegessen werden.

"Wer träumt denn nicht davon, Eigentümer einer Herde Hörnerviehs zu sein?", fragt in vollem Ernst der 70-Jährige, der seit 1992 mit seinen Söhnen Denis und Didier Weinbergschnecken züchtet. Seine Produktion von 1,2 Millionen Tieren pro Jahr belieferte bisher Feinschmeckerrestaurants in der ganzen Welt. Jetzt richtet Petit sich angesichts osteuropäischer Konkurrenz mit einem neuen Angebot auch an Privatkunden.

Eigentümer einer Herde Hörnerviehs von 100.000 Tieren

Die Züchter im Grenzgebiet der östlichen Regionen Champagne und Burgund hegen und pflegen je 100.000 der schleimigen Tierchen pro Weide von 300 Quadratmetern. Doch trotz der liebevollen Versorgung schaffen es in der Wachstumszeit von Mai bis Oktober 20 Prozent der Tiere nicht bis zum Herbst. Es gebe zwei vorrangige Todesursachen, erläutern die erfahrenen Schneckenproduzenten: Die einen fielen hungrigen Vögeln zum Opfer, die anderen dem Stress. Hoffentlich wird der nicht durch die Webcams verstärkt, die die possierlichen Gleiter nun Tag und Nacht bei ihren täglichen Verrichtungen beobachten. Schneckenliebhaber können sich über die Webseite Escargots einklicken und in aller Ruhe beobachten, wie die Leckerei heranwächst.

Besuch erwünscht

Wer mag, kann natürlich auch nach Bernon fahren und sich persönlich vom Wohlergehen seines Abendessens überzeugen. Gefüttert werden die Viecher nur mit Getreide. Daniel Petit erläutert warum: "Das ist bei den Schnecken wie bei den Menschen, wenn sie nur Salat essen, werden sie nicht dick." Und dick werden sollen sie, allerdings kann das Ende ihrer Laufbahn ebenfalls als ein dickes bezeichnet werden. Schließlich erwartet die Tiere, wenn sie sich einen ordentlichen Fettwulst angefressen haben, ein wenig possierliches Ableben: Sie werden zunächst in einer Kammer bis in den Schlaf gekühlt, dann werden sie in kochendes Wasser geworfen und aus ihrem Haus geholt. Am Ende steht dann das Garen in einer Bouillon und die Verpackung in einer Konserve.

Weltmeister im Schneckenessen - die Franzosen

So landen die 120 erworbenen und beobachteten Tiere dann per Post bei ihren Eigentümern, die sie verspeisen können. Der Spaß kostet 32 Euro und wurde in der vergangenen Saison schon von rund hundert Kunden ausprobiert, sagt Petit. Er hofft, mit seiner originellen Idee der starken Konkurrenz aus dem Osten die Stirn zu bieten. "Das Weinbergschnecken-Geschäft läuft zwar gut, der Absatz ist stabil und steigt sogar ein wenig, aber unsere Schnecken sind drei Mal so teuer wie die aus Osteuropa", bedauert der Züchter. Er hofft, mit diesem landestypischen Produkt, das als genauso urfranzösisch wie Baguette und Froschschenkel gilt, vor allem ausländische Kunden anzuziehen.

Und so kann seine Webseite nicht nur in Französisch, sondern auch in Englisch und Japanisch aufgerufen werden. "Die Japaner sind ganz verrückt nach Weinbergschnecken, die Chinesen auch, und selbst die Deutschen, die erst gar nichts davon wissen wollten." Weltmeister im Schneckenessen bleiben allerdings Petits Landsleute: Sie verschlingen jährlich 40.000 Tonnen der glitschigen Leckerbissen. (apa)

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