Electrolux schließt Nürnberger AEG-Werk

13. Dezember 2005, 11:08
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Nach einem Beschluss der schwedischen Mutter wird die Produktion noch bis 2007 laufen und dann nach Polen verlagert

Nürnberg - Der schwedische Haushaltsgerätekonzern Electrolux schließt sein AEG-Werk in Nürnberg bis Ende 2007. "AEG macht zu", sagte der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende Roland Weiß der Nachrichtenagentur AP unmittelbar vor einer Belegschaftsversammlung am Montag in Nürnberg, auf der das Konzern-Management den Mitarbeitern seine Entscheidung über die Schließungspläne bekannt geben wollte.

Das 2.000 Mitarbeiter zählende Werk soll nach Angaben der Arbeitnehmervertreter bis Ende 2007 geschlossen werden. Dies habe der Electrolux-Aufsichtsrat zuvor in Schweden beschlossen. Konzern-Chef Hans Straberg hatte bereits im Sommer angekündigt, das AEG-Werk in Nürnberg schließen zu wollen und die Produktion aus Kostengründen nach Polen zu verlagern. Dort wurden etwa 80 Mio. Euro in den Bau zweier Fabriken investiert.

Gegen Schließungspläne

Die IG-Metall hatte gegen die Schließungspläne mit scharfen Protestmaßnahmen vom Streik bis zu einem europaweiten Kauf-Boykottaufruf für Produkte verschiedener Electrolux-Marken gedroht. Zugleich hatte der Betriebsrat in Zusammenarbeit mit dem deutschen Electrolux-Management ein eigenes Sanierungskonzept vorgelegt, das selbst tiefe Einschnitte bei Personal und Gehältern vorgesehen hatte.

Im Gegenzug für eine Standort-Garantie zeigte sich die Arbeitnehmerseite demnach mit einem Abbau von 770 der derzeit knapp 2.000 Arbeitsplätzen einverstanden. Damit und durch eine Verringerung der Fixkosten sollten nach dem Rettungskonzept jährlich etwa zehn Mio. Euro am Standort eingespart werden.

In Österreich ist AEG über die Electrolux-Gruppe vertreten, diese hatte 2004 ein Umsatzplus von 10 Prozent hierzulande erwirtschaftet. Die Zahl der Mitarbeiter blieb mit 245 Personen unverändert.

Marken wie AEG, Electrolux, Juno, Zanussi und Privileg

Das Nürnberger AEG-Werk ist eine der letzten großen Produktionsstätten in der früheren Industriemetropole Nürnberg. Inmitten der Stadt stellen rund 1.500 der insgesamt 1.750 Beschäftigten Geschirrspüler, Waschmaschinen und Trockner her. In diesem Jahr sind es etwa 1,4 Mio. Geräte, davon 715.000 Waschmaschinen, 565.000 Geschirrspüler und 125.000 Trockner. Der Focus liegt auf den Marken AEG, Electrolux, JUNO, Zanussi und Privileg. Mehr als 60 Prozent der Produkte gehen nach Betriebsratsangaben in den Export.

Das Werk, das seit 1994 im Besitz des schwedischen Electrolux-Konzerns ist, gehört zu den traditionsreichen Unternehmen am Standort Nürnberg. 1922 war es zunächst für die Herstellung von elektrischen Heizungen und Kochgeräten errichtet worden. Nach Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurde es für die Produktion von Waschmaschinen neu aufgebaut. 1963 wurde mit der Herstellung von Geschirrspülmaschinen begonnen. In Spitzenzeiten arbeiteten in den Werkshallen an der Muggenhofer Straße bis zu 6.000 Menschen. Der Produktionsrekord wurde 2003 mit 1,8 Mio. Geräten erzielt. (APA/AP)

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    Die Belegschaft wehrte sich seit Wochen mit Warnstreiks und Protestaktionen gegen die Schließung.

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