Pleitegeier kreist heuer besonders tief über Österreich

20. Dezember 2005, 12:35
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Vor allem kleinere Unternehmen betroffen - Keine Großinsolvenzen - Finanzführerschein als roter Faden durch den Finanzdschungel

Wien - Österreich steuert heuer auf einen neuen Pleitenrekord zu. Die Zahl der Insolvenzen (Unternehmen und Private) stieg im Jahresvergleich (zum Stichtag 12. Dezember) um 13,8 Prozent auf 13.602 Fälle (2004: 11.955 Pleiten), teilt die Wirtschaftsauskunftei Creditreform am Montag mit.

Die Zahl der Unternehmenspleiten erhöhte sich um 15,3 Prozent auf 7.299. Mit 6.303 Privatkonkursen schlitterten heuer um 12 Prozent mehr Personen in die Pleite als vor einem Jahr.

Die Zahl der eröffneten Verfahren stieg um 10,3 Prozent auf 8.450 Fälle, davon 3.475 Unternehmen und 4,975 Private. Die mangels Masse abgewiesenen Konkurse nahmen um 19,9 Prozent auf 5.152 Fälle zu, davon 3.824 Unternehmen und 1.328 Private.

25.000 Arbeitsplätze gefährdet

Rund 25.000 Arbeitsplätze wurden heuer durch Insolvenzen bedroht oder vernichtet. Die geschätzten Passiva blieben bei ca. 2,3 Mrd. Euro gegenüber dem Vorjahr unverändert, da Großinsolvenzen heuer bisher ausgeblieben sind. Die Pleiten haben vor allem unter kleineren und mittleren Unternehmen gewütet, so die Creditreform.

Mehr als die Hälfte der Konkursanträge (52,4 Prozent) bei Unternehmen wurden mangels Masse abgewiesen. Die Gläubiger dieser "masselosen Insolvenzfälle" - zu ihnen gehören auch Sozialversicherungsträger und andere öffentliche Gläubiger, somit mittelbar auch jeder Steuerzahler - haben in diesen Fällen einen 100-prozentigegen Forderungsausfall zu erwarten.

Unterschiedliche Bundesländerentwicklung

Die Pleiten-Entwicklung in den Bundesländern war heuer sehr unterschiedlich. Bei den Gesamtinsolvenzen führt Wien mit 3.530 Insolvenzen (plus 7,5 Prozent). Die höchste Zuwachsrate hält Kärnten mit einem Plus von 30,7 Prozent, gefolgt von Niederösterreich mit 26,2 Prozent.

Die Zahl der Gesamtinsolvenzen blieb nur in Oberösterreich mit plus 0,4 Prozent stabil. Entgegen dem bundesweiten Trend gab es hier einen Rückgang bei den Unternehmensinsolvenzen um 4 Prozent, während die Privatinsolvenzen um 7,7 Prozent zunahmen.

Während die Privatinsolvenzen in Westösterreich stagnierten bzw. abnahmen (Tirol minus 6 Prozent, Vorarlberg plus 0,8 Prozent), lagen die Firmeninsolvenzen über dem Österreich-Durchschnitt (Tirol plus 38,1 Prozent, Vorarlberg plus 24,1 Prozent).

Privatkonkurse

Fast die Hälfte oder 46,3 Prozent (6.303) aller Insolvenzen betrafen Private. In 1.328 Fällen (plus 42 Prozent) konnte ein Schuldenregulierungsverfahren, das den Schuldner von seinen Verbindlichkeiten befreien könnte, mangels einer Deckung der Verfahrenskosten nicht eingeleitet werden.

Als Hauptgründe für private Überschuldung werden von Creditreform das Handy als "Einstiegsdroge", Konsumzwang, Kontoüberziehungen und Umschuldungen sowie mangelhaftes Wissen um den richtigen Umgang mit Geld, genannt.

Erfreulicherweise, so die Kreditschützer, wurden auf diese Probleme bereits reagiert: Einige Mobilfunkbetreiber setzen die Möglichkeit eines Frühwarnsystems mit einem vom Kunden selbst bestimmten Kostenlimit bewusst in der Werbung ein.

In Vorarlberg soll ein Finanzführerschein Jugendlichen einen roten Faden durch den Finanzdschungel bieten. Im Burgenland werden in allen Bezirkshauptmannschaften eigene Beratungszentren zur präventiven Aufklärung eingerichtet. (APA)

  • Der KSV bestätigt damit grundsätzlich die Tendenz, die von der Wirtschaftsauskunftei Creditreform dieser Tage benannt wurde.
    foto: epa

    Der KSV bestätigt damit grundsätzlich die Tendenz, die von der Wirtschaftsauskunftei Creditreform dieser Tage benannt wurde.

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