Gebrane Tueni - Einer der Anführer der "Zedernrevolution"

22. Dezember 2005, 10:55
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Ermordeter libanesischer Politiker kandidierte auf der multikonfessionellen Liste der "Bewegung für die Zukunft" von Saad Hariri

Beirut - Der prominente libanesische Politiker und Zeitungsherausgeber Gebrane Tueni, der am Montag einem Terroranschlag zum Opfer gefallen ist, war ein leidenschaftlicher Journalist, dessen Stimme in der gesamten arabischen Welt gehört wurde. Der 1957 geborene Herausgeber der Beiruter Tageszeitung "An-Nahar", die sein Großvater 1933 gegründet hatte, entstammte einer Beiruter Politikerdynastie griechisch-orthodoxer Konfession, die eine Reihe von libanesischen Staatsmännern und Diplomaten gestellt hat, wie den früheren langjährigen Botschafter bei den Vereinten Nationen, Ghassan Tueni.

Tueni, der vier kleine Kinder hinterlässt, darunter ein erst vor wenigen Monaten geborenes Zwillingspaar, war ein Neffe des einflussreichen Politikers der Sozialistischen Fortschrittspartei (PSP) und ehemaligen Ministers Marwan Hamade, der im Oktober 2004 einem Mordanschlag entgangen war.

Zedernrevolution

Gebrane Tueni gehörte zu den Anführern der so genannten Zedernrevolution, die nach der Ermordung von Ex-Premier Rafik Hariri im Februar mit wochenlangen Massendemonstrationen zum Abzug der syrischen Truppen aus dem Libanon nach 29 Jahren führte. Bei den Parlamentswahlen im Frühsommer kandidierte er auf der multikonfessionellen Liste der "Bewegung für die Zukunft" von Saad Hariri, dem Sohn des ermordeten Ex-Regierungschefs, und wurde mit großer Mehrheit gewählt.

Kritik am Baath-Regime

In seinen Leitartikeln und Analysen hatte Tueni, dessen Beiträge auch in Frankreich erschienen, kontinuierlich die autoritären Regierungen in der arabischen Welt, insbesondere das Baath-Regime in Damaskus, kritisiert und Meinungsfreiheit gefordert. Er hatte zuletzt die Einsetzung eines internationalen Strafgerichtshofes für die Verantwortlichen des Hariri-Mordes verlangt und wiederholt den pro-syrischen libanesischen Staatspräsidenten Emile Lahoud zum Rücktritt aufgefordert. Auch hatte er die Frage einer Entwaffnung der Schiiten-Miliz Hisbollah aufgeworfen. (APA/AFP)

  • Gibran Tueni auf einer Aufnahme vom 2. Juni 2005.

    Gibran Tueni auf einer Aufnahme vom 2. Juni 2005.

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