"Time"-Reporterin wegen CIA-Affäre freigestellt

16. Dezember 2005, 14:42
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Viveca Novak verschwieg Vorgesetzten Vernehmung über Enttarnung einer Agentin

In der Affäre um die Enttarnung der US-Geheimdienstagentin Valerie Plame ist eine weitere Reporterin von ihrer Redaktionsleitung beurlaubt worden. Das US-Magazin "Time" reagierte so auf eine Vernehmung Viveca Novaks durch Sonderermittler Patrick Fitzgerald im vergangenen Monat, von der die Reporterin ihren Vorgesetzten nichts gesagt hatte. "Time" teilte am Sonntag mit, die Entscheidung über die Freistellung sei einvernehmlich getroffen worden.

Novak wurde von Fitzgerald über ein Gespräch befragt, das sie mit dem Anwalt von Präsident George W. Bushs politischen Berater Karl Rove in der ersten Hälfte von 2004 hatte. Anwalt Robert Luskin hatte im Oktober versucht, eine Anklage gegen Rove mit Hinweis auf sein Treffen mit Novak abzuwenden. Fitzgerald lud daraufhin die Reporterin am 10. November zur Vernehmung.

"Ich nahm mir einen Anwalt, sagte aber niemandem bei 'Time' etwas", schrieb Novak nun in "Time". "Unrealistischerweise hoffte ich, dass sich das als unbedeutender Wendung in der Ermittlung herausstellen wird und dachte zudem, dass, falls man bei 'Time' davon wüsste, es schwer werden würde, die Information zurückzuhalten."

Palmers Enttarnung

In der Affäre um die möglicherweise von Regierungskreisen betriebene Enttarnung Plames ist bisher der frühere Stabschef von Vizepräsident Dick Cheney, Lewis Libby, wegen Meineids, Behinderung der Justiz und falscher Aussagen gegenüber der Bundespolizei FBI angeklagt worden. Plame ist die Frau des früheren US-Botschafters Joseph Wilson, der der US-Regierung vorgeworfen hat, den Krieg gegen Irak mit manipulierten Geheimdienstinformationen herbeigeführt zu haben.

Rove hat erklärt, er habe ein Treffen mit "Time"-Reporter Matt Cooper am 11. Juli 2003 vergessen gehabt. Anfang 2004, berichtet nun "Time", habe sein Anwalt Luskin von Novak erfahren, dass es dieses Treffen gegeben habe. Erst im Oktober 2004 bestätigte Rove, gegen den weiterhin ermittelt wird, dass er sich mit Cooper getroffen habe - nachdem Luskin eine E-Mail des Politikberaters an den damals stellvertretenden Nationalen Sicherheitsberater Stephen Hadley mit Datum 11. Juli 2003 gefunden hatte. Darin ging es um Roves Gespräch mit Cooper am selben Tag.

Zweite Freistellung

Novak schrieb in "Time" zu dem Vorgang, Luskin habe von ihr wohl eine Entlastung Roves erwartet. "Karl hat kein Cooper-Problem", habe er gesagt. "Er war nicht die Quelle für Matt." Novak schrieb, sie habe "instinktiv" geantwortet: "Sind Sie sicher? Das ist nicht das, was ich bei 'Time' höre". Luskin habe das überrascht zur Kenntnis genommen.

Novak ist die zweite Reporterin, die wegen der Affäre zumindest zeitweise freigestellt wurde. Am 10. November hatte wegen ihrer Rolle in der Affäre "New York Times"-Reporterin Judith Miller ihre Zeitung verlassen. Sie könne nicht mehr als Reportin für die "Times" arbeiten, nachdem sie selbst zur Nachricht geworden sei, schrieb die 57-jährige Pulitzer-Preisträgerin in einem Abschiedsbrief. Miller verbrachte im Sommer 85 Tage im Gefängnis, weil sie sich weigerte, Angaben über ihre Gespräche mit einer vertraulichen Quelle zu machen. (APA/AP)

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