Drogenfahndung: Razzien gegen "kleine Fische"

14. Dezember 2005, 09:27
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Polizei und Justiz erhöhen den Fahndungsdruck, gefangen werden aber in der Mehrzahl nur "kleine Fische"

Jeder Fünfte stand bereits einmal mit einem Fuß im Kriminal, weil er illegale Drogen konsumiert hat. Am beliebtesten dabei ist und bleibt Cannabis.


Polizei und Justiz haben die Gangart gegen die Suchtgiftkriminalität in Österreich verschärft. Die Razzien betreffen aber immer öfter "kleine Fische" oder Konsumenten illegaler Drogen, der Fang großer Dealer ist eher die Ausnahme. Das geht aus dem am Montag vom Österreichischen Bundesinstitut für Gesundheitswesen (ÖBIG) präsentierten "Bericht zur Drogensituation" hervor. Insgesamt hat bereits ein Fünftel der Bevölkerung Erfahrungen mit verbotenen Suchtmitteln

Im Vorjahr wurden insgesamt 25.215 Anzeigen wegen eines Verstoßes gegen das Suchtmittelgesetz erstattet – um 3000 mehr als 2003.

Mehr Vergehen

"Differenziert man nach der Art der Anzeige, so steht – im Gegensatz zum Jahr 2003 – einem starken Anstieg bei den Vergehenstatbeständen (Besitz und Kleinhandel) ein geringfügiger Rückgang bei den Verbrechenstatbeständen (Handel großer Mengen, professioneller Handel) gegenüber", halten die ÖBIG-Autoren fest. Noch klarer wird der Wandel der Relation im langjährigen Vergleich: 1995 gab es wie im Vorjahr rund 2500 Anzeigen wegen Verbrechenstatbeständen und 10.420 Anzeigen wegen Vergehen.

Ähnliches lässt sich aus der Auswertung der Anzeigen nach den involvierten illegalen Substanzen ablesen: Die Anzeigen wegen Cannabis nahmen von 2003 auf 2004 von rund 18.000 auf rund 20.000 zu. Weniger stark stieg die Zahl der Anzeigen wegen Kokain oder Heroin.

Umfrage

Im Rahmen einer repräsentativen Umfrage (4500 Personen ab 14 Jahren) gab ein Fünftel der Befragten an, bereits einmal in ihrem Leben (Lebenszeitprävalenz) eine illegale Substanz konsumiert zu haben (siehe Grafik). Am beliebtesten dabei ist und bleibt Cannabis – der Umfrage zufolge haben 20 Prozent der Bevölkerung schon einmal Gras (Cannabiskraut) oder Haschisch (Cannabisharz) geraucht. Drei Prozent sind Ecstasy zugetan, 2,3 Prozent Kokain, 0,7 Prozent bevorzugen Opiate. Jeweils rund 2,7 Pro 5. Spalte zent haben schon einmal biogene Drogen wie Pilze (Magic Mushrooms) eingeworfen oder Schnüffelstoffe inhaliert.

Alkohol hat schon fast jede und jeder (96, 5 Prozent) probiert, sieben von zehn Österreichern haben schon einmal Tabak geraucht.

Kritik an Drogenpolitik

Die Grünen sehen durch den Bericht bestätigt, dass die heimische Drogenpolitik auf dem Holzweg sei. "Anstatt große Dealer mit Nachdruck zu verfolgen, werden Suchtkranke und Cannabis-Konsumenten kriminalisiert", kritisierte der Abgeordnete Dieter Brosz. (simo, DER STANDARD-Printausgabe 13.12.2005)

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