Mittelstandsbesteuerung

11. Dezember 2005, 18:56
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Ein Kommentar von Conrad Seidl zu den Forderungen von "Umverteilungsprediger" Franz Küberl

Wirklich reiche Menschen - definiert als Inhaber wohlgefüllter Wertpapierdepots, die als echte Rentenkapitalisten ausschließlich von den Coupons leben können - gibt es in Österreich kaum, hat der Grünen-Professor Alexander Van der Bellen einmal erkannt. Und so ist es auch nicht überraschend, dass nicht einmal der Umverteilungsprediger Franz Küberl eine "Reichensteuer" fordert: Die bringt nämlich nichts.

Anders ist es, wenn man die Vermögen besteuert, wie es der Caritas-Chef in aller Harmlosigkeit vorgeschlagen, aber nicht näher erläutert hat: Da zahlt jeder mit, der mehr sein Eigen nennt, als was er unmittelbar am Körper trägt. Das Vermögen an Grund und Boden zu besteuern trifft Häuslbauer ebenso wie Bauern, Besitzer von Eigentumswohnungen ebenso wie (indirekt) Mieter. Besitz von Kapital (und nicht nur dessen tatsächlich moderat besteuerte Erträge) zu besteuern erwischt eben nicht nur die wenigen Rentenkapitalisten, sondern alle, die Eigenvorsorge ernst nehmen. Und dass man Autos (aber auch Schmuck, Pelze und anderen "Luxus") mit Sondersteuern belegen kann, ist in Österreich ebenfalls schon vorexerziert worden.

Zahlen müssten alle, die ein bisserl etwas haben - was dann Sinn machen würde, wenn man auf der anderen Seite die Einkommen entlasten wollte (wie das etwa das US-amerikanische Steuersystem praktiziert, wo Vermögen und Erbschaften hoch, Einkommen aber gering besteuert werden).

Davon ist aber keine Rede. Vielmehr soll nach Küberls Vorstellung die Steuerlast erhöht werden, um ein Grundeinkommen für alle (plus einer Umverteilungsbürokratie) zu finanzieren. Dass damit Leistungs- und Verantwortungsbereitschaft als Grundlagen unserer Gesellschaft untergraben würden, sollte der große Kommunikator in Christo ehrlicherweise dazusagen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.12.2005)

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