Italiens Notenbankchef erneut unter Verdacht

19. Dezember 2005, 13:12
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Bestechungsvorwürfe gegen Antonio Fazio - Zentralbankchef soll Geschenke im Wert von mehr als 50.000 Euro angenommen haben

Um Italiens Zentralbankchef Antonio Fazio wird es nicht still. Längst ermitteln die Richter in Rom gegen den Zentralbankchef wegen Amtsmissbrauchs, nun gerät er in Gefahr, auch wegen Bestechlichkeit belangt zu werden.

Laut einem Bericht von Repubblica hat der Ex-Chef der Banca Popolare Italiana (BPI), Giampiero Fiorani, den Zentralbankchef und seine Lieben seit Jahren mit wertvollen Geschenken "verwöhnt". So soll Fazio bei Weihnachtsfesten eine goldene Markenuhr und teure TV-Geräte, seine Frau und seine vier Töchter edlen Schmuck bekommen haben.

Geschenke im Wert von mehr als 50.000 Euro

In einem zynischen Kommentar erinnert Repubblica daran, dass Ex-Bundesbankpräsident Ernst Welteke schon wegen Hotelkosten von 7200 Euro seinen Hut nehmen musste, während der Wert der Geschenke von Ex-BPI-Chef Fiorani an Fazio die 50.000-Euro-Marke überstiegen. Fazio hat bislang nicht reagiert.

Ihm droht zudem eine weitere Schlappe. Nachdem sein einstiges Liebkind, die Banca Popolare Italiana, beim Verkauf der Banca Antonveneta den Kürzeren gezogen hatte (sie ging an die niederländische ABN Amro), scheint nun auch der Favorit Fazios, die Versicherungsgesellschaft Unipol als potenzieller Käufer der Banca Nazionale del Lavoro (BNL; Italiens sechstgrößte Bank), zu wackeln.

Angepatzter Ritter

Als die spanische BBVA, Großaktionär der Lavoro-Bank, im vorigen Frühjahr ein Übernahmeangebot für selbige präsentiert hatte, suchte Fazio verzweifelt nach einem heimischen "weißen Ritter", um die spanische Offerte abzuwehren. Er fand ihn im genossenschaftlich organisierten Versicherer Unipol - dessen Präsident Giovanni Consorte nun aber wegen Verdachts falscher Informationen und Insiderhandels im Visier der Staatsanwälte in Mailand und Rom steht.

Die Banca d'Italia muss aber noch ihre Zustimmung für das Unipol-Übernahmeangebot im Wert von vier Mrd. Euro geben. Fraglich ist, ob Fazio nach seinem Antonveneta-Flop ein zweites Mal das Risiko eingeht, dass sein Placet an den Untersuchungsrichtern scheitert. Tut er das nicht, könnten bei der Lavoro-Banca nun doch noch die Spanier Einzug halten. (Thesy Kness-Bastaroli aus Mailand, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 12.12.2005)

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    Zentralbankchef Antonio Fazio bleibt im Visier der Medien und der Justiz.

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