Bianca Jagger kritisiert "rassenparteiische Praxis"

11. Dezember 2005, 22:19
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Bürgerrechts-Aktivistin fordert Schwarzenegger zu Moratorium auf

Stockholm - Die Ex-Frau von Rolling-Stones-Sänger Mick Jagger, die Todesstrafen-Gegnerin Bianca Jagger, hat an den Gouverneur des US-Bundesstaats Kalifornien, Arnold Schwarzenegger, appelliert, die für kommenden Dienstag (13.12.) festgesetzte Exekution des 51-jährigen Stanley "Tookie" Williams zu verhindern. Darüber hinaus fordert Jagger Schwarzenegger auf, ein Moratorium für alle weiteren anstehenden Hinrichtungen in Kalifornien auszurufen.

Jagger begründet ihre Forderung nach dem generellen Moratorium in einem am Samstag von der Stockholmer "Right Livelihood"-Stiftung verbreiteten Schreiben unter anderem mit der nicht abgeschlossenen Arbeit einer Justizkommission, die derzeit das kalifornische Strafvollzugssystem auf seine Vereinbarkeit mit den Prinzipien der Gerechtigkeit, Korrektheit und Fairness überprüft. Es wäre "unverantwortbar" auch nur eine weitere Person hinzurichten, bevor kritische Fragen über die kalifornische Justizverwaltung durch die Kommission geklärt seien.

Justizsystem "kaputt"

Der Trägerin einer der "Alternativen Nobelpreise" vom Vorjahr zufolge ist das Justiz-System in Kalifornien "kaputt". Außer Williams warteten noch drei weitere Todeskandidaten auf die tödliche Injektion, deren Todesurteile "auf unverlässlichen Informanten, rassenparteiischer Praxis und schlechter Rechtsvertretung" beruhen, so Jagger. Stanley Williams wurde 1981 von weißen Geschworenen in einem bis heute umstrittenen Prozess zum Tode verurteilt. In seiner Haft schrieb er neun Bücher, in denen er junge Leute eindringlich von der Laufbahn als Gangster abzubringen versucht. Für seine Bemühungen wurde Williams mehrfach für den Friedensnobelpreis nominiert.

Jahrelanger Einsatz gegen Todesstrafe

Die aus Nicaragua stammende Bürgerrechtsaktivistin setzt sich seit Jahren insbesondere für die Abschaffung der Todesstrafe ein. Ende November hatte Bianca Jagger wie früher die beiden später exekutierten Häftlinge Karla Fay Tucker und Gary Graham in der Todeszelle besucht. (APA)

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