Palomino, Pedro Ximenez & Moscatel

11. Dezember 2005, 17:00
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„Es gibt weltweit kaum eine neutralere Rebsorte wie Palomino, die derart komplexe Weine hervor bringt!“. Die zugelassenen Rebsorten für Manzanilla und Sherry in Teil 3

Welche Rebsorten für die Sherryproduktion zugelassen sind, wurde vom Consejo Regulador bereits Mitte des letzten Jahrhunderts festgelegt. Die große Vielfalt vor der Reblauskatastrophe, die das Gebiet Ende des 19 Jhdt. erreichte – Diego Parada y Barreto beschreibt 1868 noch 42 Rebsorten und selbst Manuel M. Gonzalez Gordon erwähnt in seinem 1948 erschienen Buch „Sherry“ unter anderen noch heute de facto unbekannte Sorten wie Albillo, Perruno und Bebba – ist damit längst einer Art der Monokultur gewichen, belegt doch Palomino mittlerweile rund 95 % der Anbaufläche.

Von Australien bis Zypern

Weltweit wird Palomino, angeblich benannt nach einem Ritter Alfonsos X., auf rund 60.000 ha angebaut, wovon rund die Hälfte der Fläche auf Spanien entfällt. Palomino ist allerdings in allen Anbaugebieten rückläufig, wobei der Rückgang in Jerez auf Flächenreduktion zurückzuführen ist, in den anderen Gebieten hingegen auf den Wechsel zu anderen Sorten. Man findet sie quer durch Spanien, in Teilen Südafrikas, Kalifornien, Australien, Zypern und Tunesien - unter Synonymen wie Alban, Listan Blanco, Merseguera, White French und Listao - wo sie säurearme, relativ neutrale, leichte Weine ohne spezifischen Sortencharakter ergibt, bzw. auch sherryähnlich ausgebaut wird, ohne jemals an das Original aus Spanien heranzukommen.

Ihre wahre Bestimmung findet sie erst im Sherry Gebiet - als Grundwein für die Produktion von Manzanilla, Fino & Co - wenn sie jahrelang im Solerasystem gereift wird, wo ihr neutraler Charakter für die aromagebende Florhefe und ihr Hang zur Oxidation von Vorteil sind.

2 x Palomino

Palomino de Jerez (auch Palomino Basto genannt), der früher sehr weit verbreitet war und bereits 1483 schriftlich erwähnt wurde, wird mittlerweile immer mehr durch Palomino Fino ersetzt. P. Fino, ein Klon aus Sanlucar de Barrameda, ist weniger krankheitsanfälliger und ertragssicherer und liefert auch bessere Qualitäten (17 – 19° KMW). Dabei ist er starkwüchsig mit ausladender Wuchsform mit leicht flachgedrückten, sehr saftigen Beeren mit dünner Fruchtschale. Er bevorzugt trockene, sonnenexponierte Lagen, gelesen wird er normalerweise in den ersten drei Septemberwochen. Die Wahl der verschiedenen amerikanischen Unterlagsreben erfolgt primär nach dem Kalkgehalt des Bodens. Seine Hauptfeinde sind Peronospora (Falscher Mehltau – Pilzkrankheit, die zu Laubverlust und eingeschrumpften, lederartigen Beeren führt und die Holzreife der Triebe beeinträchtigt), Frost und Fäulnis, verursacht durch feuchte Winde.

Die Rebsorte ist theoretisch sehr ertragreich (80 – 200 hl/ha), der gesetzlich erlaubte Maximalertrag in Jerez Superior ist jedoch auf 80 hl/ha beschränkt, im restlichen Gebiet auf 100 hl/ha, wobei die Erträge in den letzten Jahren allerdings wesentlich niedriger ausfielen.

Palomino – nicht gespritet

Aufgrund der Überproduktion und der Absatzprobleme des gesamten Gebietes wird mittlerweile auch eine nicht unerhebliche Menge an nicht gespritetem Wein produziert, der aber nicht unter die D.O. fällt und als Vino de la Tierra de Cadiz vermarktet wird. Für die Winzer ein gutes Geschäft, entfallen doch die langen Ausbauzeiten von 3 Jahren und damit die Kapitalbindung. Von den noch dazu höheren Verkaufspreisen im Vergleich zu den Sherry-Basisqualitäten ganz abgesehen. Der erfolgreichste Vertreter dieser Gattung ist der Castillo de San Diego (Barbadillo), der seit 1975 produziert wird und mit rund 6 Millionen Flaschen mittlerweile der meistverkaufteste Weißwein Spaniens ist!

Pedro Ximenez reinsortig...

Die zweite zugelassene Rebsorte Pedro Ximenez, kurz PX, nimmt rund 3 % der Rebfläche ein. Angebaut wird sie in den niederen Jerez Superior Lagen. Die Legende besagt, dass sie im 16 Jhdt. durch einen gewissen Peter Siemens, einem Soldaten Karls V., vom Rhein nach Jerez gebracht wurde. Leider wird diese Rebsorte aufgrund ihrer Anfälligkeit und notwendigen Pflegeintensität immer weiter zurückgedrängt. Zum Glück dürfen für die Produktion nach wie vor PX Trauben aus dem benachbartem Montilla-Moriles zugekauft werden - zeigen doch hochwertige PX Sherries, wie der Reliquia von Barbadillo oder der Royal Ambrosante Old Solera von Sandeman, mit ihrer barocken Frucht, Süße und Üppigkeit, welch großartige Süßweine die Rebsorte zu produzieren imstande ist..

...und zum Süßen

Die von Haus aus sehr zuckerreichen Trauben werden vor der Verarbeitung ein paar Tage in der Sonne getrocknet, um den Zuckergehalt weiter zu erhöhen Die für einen Weißwein ungewöhnlich dunkle, fast ins Schwarz gehende Mokka-Farbe ist das Ergebnis des jahrelangen oxidativen Ausbaus in den Bodegas. Daneben wird PX in Jerez auch zur Süßung von Amontillados und Olorosos verwendet., wobei sie hierfür mittlerweile von günstigeren, sonnengetrockneten Palominos verdrängt wird. In der nahe gelegenen D.O. Montilla-Moriles bildet PX die Hauptsorte und wird dort auch trocken im Stile der Finos ausgebaut und erreicht ohne Aufspriten Alkohlwerte von 15-16 %.

Moscatel

Der Rest der Fläche entfällt auf Moscatel de Alejandria, der bereits von Plinius erwähnt wurde und in Spanien im großen Stil angebaut wird – der Großteil allerdings zur Tafeltraubenproduktion bzw. für RTK (Rektifiziertes Traubenmostkonzentrat). Er findet sich hauptsächlich um Chipiona und wird wie PX sonnengetrocknet und meist zum Süßen verwendet. Nur wenige der Erzeuger produzieren in der D.O. sortenreinen Moscatel, wohl auch weil es in Spanien wesentlich renommiertere Gebiete (Alicante, Penedes) für Weine dieser Art gibt.

Nächsten Montag: Von der Traube zum Most

  • Palomino Anfang Juni...
    foto: klaus hackl

    Palomino Anfang Juni...

  • ...und Anfang September
    foto: informationsbüro sherry

    ...und Anfang September

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