Israel dementiert militärischen Angriffsplan

14. Dezember 2005, 13:32
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Sharon-Büro weist Bericht über Vorbereitungen der Armee zurück - Peres warnt vor Terrorgefahr durch Iran

Tel Aviv/Passau - Israel hat Berichte über konkrete Pläne zu einem Angriff auf iranische Atomanlagen am Sonntag strikt zurückgewiesen. Außenminister Silvan Shalom betonte nach Angaben des israelischen Rundfunks, man werde nur mit diplomatischen Mitteln gegen die Bedrohung durch den Iran vorgehen.

Angriff auf iranische Atomanlagen

Die britische Zeitung "Sunday Times" berichtete, der israelische Ministerpräsident Ariel Sharon habe die Armee bereits angewiesen, sich für Ende März auf einen Angriff auf iranische Atomanlagen vorzubereiten. Der israelische Geheimdienst habe im Iran mehrere geheime Einrichtungen zur Urananreicherung entdeckt, die als zivile Gebäude getarnt seien. Die Internationalen Atomenergiebehörde (IAEO bzw. IAEA) habe von diesen Einrichtungen keine Kenntnis. Israelische Geheimtruppen hätten eine geheime Basis im Norden des Irak eingerichtet und seien schon mehrmals nach Iran vorgedrungen.

Konzentration auf diplomatische Bemühungen

Sharons Büro wies den Bericht als falsch zurück: "Möglicherweise ist die Zeitung über Dinge informiert, von denen Sharon gar nichts weiß." Amos Gilad, ein ranghoher Repräsentant des Verteidigungsministeriums, sagte dem Armeesender, man könne zwar keine Option ausschließen. Gegenwärtig konzentriere man sich aber auf diplomatische Bemühungen, um den befürchteten Bau iranischer Atomwaffen zu stoppen. Diese stellten eine strategische Bedrohung des ganzen Nahen Ostens dar. IAEO-Generaldirektor Mohammed ElBaradei, der am Samstag in Oslo den diesjährigen Friedensnobelpreis überreicht bekam, hatte Israel vor einem Angriff auf den Iran gewarnt.

Terrorgefahr durch Iran

Der ehemalige Vorsitzende der israelischen Arbeiterpartei Shimon Peres forderte Europa und die USA bei einer Diskussionsveranstaltung in Passau am Samstagabend auf, der wachsenden Terrorgefahr aus dem Iran in enger Gemeinschaft entgegen zu treten. Insbesondere die Entwicklung von Atomwaffen müsse unterbunden werden, mahnte der Friedensnobelpreisträger, der von der Verlagsgruppe Passau mit dem Preis Menschen in Europa (MiE-Award 2005) ausgezeichnet wurde.

Der 82-Jährige rief dazu auf, die Gründe des Terrorismus zu bekämpfen. "Die Terroristen umzubringen ist nicht genug." Entscheidend sei, die Lebensbedingungen für alle zu verbessern und insbesondere den Muslimen Bildung, Freiheit und Stolz zu geben. Er sei sich bewusst, dass sich viele muslimische Gesellschaften gegen den Terror wenden. Der Iran hingegen habe ihn sich auf die Fahnen geschrieben, mahnte Peres. (APA/dpa)

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