Tories in Umfragen erstmals seit Jahren vorn

26. Dezember 2005, 22:07
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Brown unbeliebter als Blair - Cameron über den Premier: "Er war einmal die Zukunft"

London - Zum ersten Mal seit fast 13 Jahren liegen die britischen Konservativen in Umfragen vor der Labour-Partei von Premierminister Tony Blair. In einer von der Sunday Times veröffentlichten Studie erhielten die Tories unter ihrem neuen Parteichef David Cameron 37 Prozent, während Blairs Labour-Partei auf 36 Prozent kam. Eine vom Sunday Telegraph veröffentlichte Umfrage sieht Blairs Partei nur bei 35 Prozent, während die Tories auch hier 37 Prozent erreichen.

Sollte der 52-jährige Blair vor der nächsten Wahl 2010 an der Spitze der Labour-Partei wie erwartet von Schatzkanzler Gordon Brown abgelöst werden, würden die Tories laut Sunday Telegraph davon profitieren. 40 Prozent der Befragten erklärten, in diesem Fall für die Konservativen zu stimmen, während 37 Prozent für die Labour-Partei votieren würden.

Seit Jänner 1993 waren die Tories in allen Umfragen hinter Labour gelegen - mit Ausnahme eines Monats im Jahr 2000 wegen Protesten gegen eine Anhebung der Benzinsteuer.

Hoffnungsträger

Blair hatte 1997 die Wahl für seine Labour-Partei gewonnen und war auch aus den beiden darauf folgenden Unterhauswahlen siegreich hervorgegangen.

Der 39-jährige Cameron war am vergangenen Dienstag an die Spitze der Tories gewählt worden. Er gilt den Konservativen nach langen Jahren auf den harten Oppositionsbänken als Hoffnungsträger, der die Partei bei den spätestens 2010 fälligen Unterhauswahlen wieder an die Macht führen soll. Cameron will sie modernisieren und mehr in die politische Mitte führen, um sie wieder mehrheitsfähig zu machen.

Vergangene Woche lieferte sich Cameron einen ersten Schlagabtausch mit Blair. Die Tory-Abgeordneten im Unterhaus brachen in freudige Tumulte aus, als sich ihr Parteichef zur Fragestunde mit dem Premier erhob. Die Gratulation Blairs zum neuen Amt quittierte Cameron mit einem Lächeln - und ging sogleich zum Angriff über: Als Blair die Differenzen zur Tory-Position in der Schulreform aufzeigte, erwiderte Cameron bissig, Blairs Ansatz sei der Vergangenheit verhaftet, und er wolle über die Zukunft reden. "Er war einmal die Zukunft", sagte der 39-jährige Tory-Chef über seinen 13 Jahre älteren politischen Gegner. (AFP, Reuters/DER STANDARD, Printausgabe, 12.12.2005)

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