Österreich "nicht ausreichend auf Terror und Katastrophen vorbereitet"

15. Dezember 2005, 16:25
53 Postings

Éxperten kritisieren mangelndes Krisentraining und Zusammenarbeit - Beran: "Beinahe fahrlässig" - Defizit selbst bei "simplen" Vorfällen

Wien - Dass auch die Alpenrepublik Ziel terroristischer Anschläge sein könnte, halten zumindest der Psychologe Johann Beran sowie Terrorismusexperte Mark Pfeiffer vor allem in Hinblick auf die anstehende EU-Präsidentschaft und den Sitz internationaler Organisationen in Wien für realistisch. Am Rande des vom Wiener Roten Kreuz organisierten Kongress zum Krisen- und Katastrophenmanagement betonten sie im Gespräch mit der APA auch, dass Österreich für den Fall des Falles wahrscheinlich nicht ausreichend vorbereitet sei.

Mangelnde Zusammenarbeit

"Wenn in Wien etwas passieren sollte, dann würde vermutlich alles zusammenbrechen", meinte Pfeiffer. Als Grund für diese Vermutung nannten die Krisenexperten unter anderem die ihrer Meinung nach mangelnde Zusammenarbeit gewisser Organisationen wie Feuerwehr, Exekutive, Krankenhäuser etc. Im Krisenfall müsste es teilautonome Substrukturen geben, die in der Lage sind, sich selbst zu steuern und untereinander zu kommunizieren.

Für eine Katastrophe nicht trainiert

Auch sei Österreich für eine Katastrophe nicht trainiert. Allerdings sei eben dies für den Krisenfall von entscheidender Bedeutung, wie Pfeiffer aus Erfahrung weiß. Als Mitglied des Koordinationsteams der Terrorübung TerrorEx04 in Las Vegas habe er gesehen, wie alle Systeme, bis auf das Militär, zusammengebrochen sind. Davon dass dieses Szenario auch auf Österreich zutreffen würde, waren Beran und Pfeiffer überzeugt. Im Fall einer Katastrophe, wo die Vernunft oftmals dem Chaos weicht, sei es wichtig, auf erlernte Aktionen zurückgreifen zu können.

Dass man das Handeln für den Ernstfall erlernen kann und sollte, gelte nicht nur für "worst case - Szenarien" wie einen Terroranschlag, betonte Beran. Die simpelste Krise sei zum Beispiel ein Wohnungsbrand - auf den hier zu Lande kaum jemand ausreichend vorbereitet sei. Im Gegensatz etwa zu den USA gäbe es in Österreich wenig Krisenpläne etwa zur Evakuierung von Wohnhäusern und kaum Übungen, bei denen Familien ernsthaft einen Feueralarm in den eigenen vier Wänden üben.

"Beinahe fahrlässig"

Als "beinahe fahrlässig" kritisierte Beran die Tatsache, dass es in der Alpenrepublik im Gegensatz etwa zu Deutschland keine Floriansdörfer - also Dörfer gibt, in denen ein Feuer simuliert wird und Kinder lernen, wie sie sich im Brandfall verhalten müssen. Ebenso bemängelte er die in vielen Fällen an den Tag gelegte lockere Haltung bei Feueralarmübungen. Meist würden die Leute genervt auf die Uhr sehen, bevor sie gegebenenfalls gemächlich ihre Sachen packen und plaudernd hinausschlendern. Das sei das "Falscheste", was man tun kann, da man sich die Krise nicht bewusst macht und somit eher ein falsches Verhalten "erlernt". (APA)

Share if you care.