Atomstreit: Neue Verhandlungen Ende Dezember

14. Dezember 2005, 13:33
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Diplomaten: Erwartungen "sehr gering" - Iran kündigt Bau weiterer Atomkraftwerke an

Wien - Die Europäische Union und der Iran wollen am 21. Dezember ihre Gespräche über das iranische Atomprogramm wieder aufnehmen. Die Beratungen mit Vertretern Deutschlands, Großbritanniens und Frankreichs einerseits sowie des Iran andererseits sollten wahrscheinlich in Wien stattfinden, sagten westliche Diplomaten am Samstag der Nachrichtenagentur AFP in der österreichischen Hauptstadt. Russische Delegierte nähmen nicht teil. Die Erwartungen seien "sehr gering", hieß es. "Die Zeit spielt gegen den Iran." Bei dem Treffen solle auch erörtert werden, ob Gespräche auf Ministerebene vorbereitet werden sollen.

Die Atomverhandlungen des so genannten EU-Trios mit dem Iran waren im August abgebrochen worden, nachdem der Iran die Uran-Konversion wieder aufgenommen hatte. Ende November hatte die Internationale Atomenergiebehörde eine Weiterleitung des iranischen Atomdossiers an den UNO-Sicherheitsrat aufgeschoben, um den russischen Vermittlungsbemühungen mehr Zeit einzuräumen. Russland hatte angeboten, die Uran-Anreicherung für den Iran zu übernehmen, um den möglichen Bau von Atomwaffen zu unterbinden.

Iran hält an Programm für Urananreicherung fest

Der Iran hält unterdessen an seinem umstrittenen Programm zur Urananreicherung fest. Es bestehe kein Zweifel daran, dass die derzeit ausgesetzte Urananreicherung wieder aufgenommen werde, erklärte am Samstag der iranische Vizepräsident Gholamreza Aghazadeh, der das iranische Atomprogramms leitet. Allerdings werde man während der erwarteten Neuverhandlungen mit der Europäischen Union nicht mit der Anreicherung beginnen.

Deutschland, Frankreich und Großbritannien bemühen sich seit Monaten, Teheran zur dauerhaften Einstellung der Urananreicherung zu bewegen und seinen Kernbrennstoff außer Landes herstellen zu lassen. Grund ist die Befürchtung, der Iran könnte hochangereichertes und damit waffenfähiges Uran produzieren. Aghazadeh erklärte dazu, der Iran könne sich nicht darauf verlassen, vom Ausland mit Kernbrennstoff beliefert zu werden. Der Vizepräsident erklärte zudem, Teheran wolle neben dem Atomkraftwerk Bushehr und dem bereits angekündigten zweiten Kraftwerk in der Provinz Khuzistan weitere Atommeiler errichten. Der Iran wolle mit Atomkraft insgesamt 2.000 Megawatt erzeugen, sagte der Vizepräsident. (APA)

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