Mozart mit Heiligenschein

2. Mai 2006, 11:24
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Anfang Dezember wurde die neue Ausstellung von Robert Wilson in "Mozarts Geburtshaus" eröffnet. Eine außergewöhnliche Inszenierung der Räume und Gegenstände soll einen neuen Blick auf das Leben des Künstlers ermöglichen.

Seit dieser Woche ist der oberste Stock des Geburtshauses von Amadeus Mozart mit einer neuen Ausstellung zu bewundern. Der amerikanische Künstler Robert Wilson gestaltete auf unkonventionelle Weise die acht ehemaligen Wohnräume der Familie Mozart neu. Lichtinstallationen, selbstdesignte Möbel und Musik vermischen sich mit Gegenständen aus dem Leben des Komponisten.

Das erste was der Besucher zu Gesicht bekommt ist eine Kinderpuppe die im Bett liegt, über ihr ein schwebender Neon-Heiligenschein, es symbolisiert Mozarts Geburt. Weiter geht es zu unbeschrifteten Porträts der Familie Mozart, an den Wänden stehen von Wilson selbst designte Stühle. Der dritte Raum ist eine Ansammlung von unzusammenhängendem Kleinod, von Haaren des Komponisten bis zu toten Schmetterlingen, die in kleinen Gucklöchern an der Wand angebracht sind, an der Decke schweben blaue Vögel in Richtung eines leuchtenden Fensters. Danach kann man hell erleuchtet Miniaturbilder der Familie Mozart betrachten.

Durch einen Gang gelangt man in den zweiten Teil der Ausstellung. Hier wird man von zweidimensionalen Holzpuppen, die mithilfe eines Knopfdrucks des Besuchers zum Leben erwachen, empfangen. Der Mann erschießt den bellenden Hund am Klavier, worauf die Holzfrau zu schreien beginnt. Ein Modell von Salzburg soll die Stadt als Mozarts Ursprung darstellen. Das Ende der Teilausstellung ist ein dunkler Raum der mit weißer Farbe beschrieben ist, zwei Puppen in weißen Kleidern scheinen aus den erleuchteten Türen zu huschen.

Der Witz eines Allrounders

Robert Wilson hat sich sichtlich Mühe gegeben das Thema Mozart auf unkonventionelle Weise aufzubereiten. Bei der Eröffnung sagte er, er wollte mit der Ausstellung etwas Witziges für alle Leute machen. Robert Wilson ist ein "Allrounder" der sich mit den unterschiedlichsten Gebieten der Kunst beschäftigt. Er arbeitet mit Tanz, Licht, Möbeldesign, Bildhauerei und Musik, war Regisseur, Bühnenbildner und Lichtdesigner. Seine Werke wurden im Centre Georges Pompidou in Paris oder auch im Boston Museum of Fine Arts gezeigt.

Die Ausstellungsräume stehen im starken Kontrast zu der herkömmlichen Gestaltung der anderen Stockwerke. Im unteren Teil des Hauses werden Salzburger Möbel und Gebrauchgegenstände aus Mozarts Lebzeiten ausgestellt, sowie eine Ausstellung die sich mit dem Komponisten und seiner Rolle im Theater auseinandersetzt. Die Exponate werden an farblosen Wänden gezeigt, mit umfangreichen Erläuterungen und geschichtlichem Umriss. Von dem ist in der Ausstellung von Robert Wilson nichts zu bemerken.

Wirkung ohne Erklärung

Die Exponate in der Ausstellung von Wilson weisen keinerlei Beschriftungen oder Erklärungen auf. Es scheint als wäre vorrangiges Ziel, die Inszenierung des obersten Stockwerkes mit einer ausdrucksstarken Raumgestaltung auf die Besucher wirken zu lassen, Informationsvermittlung scheint unwichtig zu sein. Erklärungen und Geschichten über die Exponate zu erhalten ist wohl nur möglich in dem man sich einer Führung anschließt.

Die Ausstellung von Robert Wilson ist witzig und interessant gestaltet, auch wenn man nach dem Besuch im Museum nicht mehr über Mozart weiß als vorher. Dennoch ist der neue Teil der Dauerausstellung in Mozart Geburtshaus einen Blick wert. Eine schräge aber eindrucksvolle Inszenierung eines altehrwürdigen Themas, dass man in dieser Art und Weise wohl nicht mehr so schnell wieder sehen wird. Die Robert Wilson Ausstellung wird vorrausichtlich bis Ende 2006 zu sehen sein. Die internationale Stiftung Mozarteum erwartete sich im kommenden Mozart-Jahr an die 350.000 Besucher des Museums, was die Kosten für die Umgestaltung abdecken wird. (linu)

Mozart Geburtshaus
Getreidegasse 9
5020 Salzburg
Öffnungszeiten:
Täglich 9 bis 18 Uhr
Mehr Infos über die Austellung

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    nussmüller
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