Kompromiss bei UN-Klimakonferenz

11. Dezember 2005, 19:00
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Fortschreibung des Kyoto-Protokolls vereinbart - Treibhausgas- Emissionen sollen langfristig reduziert werden - WWF: Signalwirkung

Montréal - Die UNO-Klimakonferenz in Montreal hat sich auf eine Fortschreibung des Kyoto-Protokolls geeinigt. Nach zweiwöchigen Beratungen beschlossen die Delegierten am Samstag auf der Vollversammlung, für die Zeit nach 2012 sollten weitere Vereinbarungen zur Verringerung der Treibhausgas-Emissionen ausgehandelt werden. Die Einigung wurde auch von den USA akzeptiert, die das Kyoto-Protokoll nicht ratifiziert haben. "Verhandlungen über neue Zusagen" wurden von Amerika aber ausdrücklich ausgeschlossen.

"Wir brauchen die Unterstützung der Vereinigten Staaten"

"Diese Länder sind bereit, die Führung zu übernehmen", sagte der Schweizer Delegierte Bruno Oberle über die mehr als 150 Unterzeichnerstaaten. "Aber sie können das Problem nicht allein lösen. Wir brauchen die Unterstützung der Vereinigten Staaten - und auch die der aufstrebenden Staaten." Der Gastgeber, der kanadische Umweltminister Stephane Dion, zeigte sich trotzdem zufrieden mit dem Gipfeltreffen. Man habe sich einigen können auf "eine Karte für die Zukunft, den Montreal Action Plan, MAP", erklärte er.

Die Umweltschutzorganisation World Wide Fund for Nature (WWF) betonte die Signalwirkung der Einigung in Montreal. "Das ist ein wichtiges Signal, dass sich die internationale Staatengemeinschaft dem immer drängenderen Problem stellt. Die zähen Verhandlungen haben sich gelohnt," erklärte die Leiterin des Klimaprogramms beim WWF Deutschland, Regine Günther. "Der Gipfel in Montreal hat uns ein gutes Stück vorangebracht."

Verhandlungsmarathon

Wegen anhaltender Meinungsverschiedenheiten hatten die Verhandlungen über ein Nachfolgeabkommen für das Kyoto-Protokoll bis Samstag früh angedauert, obwohl das Treffen eigentlich bereits am Freitag zu Ende gehen sollte. Die USA, die das Klimaschutzprotokoll boykottieren, lehnen verbindliche Festlegungen zur Reduktion der Treibhausgas-Emissionen auch für die Zeit nach 2012 ab. Sie wollten nur einer Abschlusserklärung ohne konkrete Zielvorgaben zustimmen.

Die Konferenz von nahezu 10.000 Delegierten war die erste Klimakonferenz der Vereinten Nationen seit dem In-Kraft-Treten des Kyoto-Abkommens im Februar.

Clinton rief zum Handeln auf

Der ehemalige US-Präsident Bill Clinton hatte zuvor im Konferenzzentrum die Teilnehmerstaaten in einer bewegenden Rede zum Handeln aufgerufen. Falls man keine Treibhausgas-Reduktionsziele vereinbaren wolle, sollte man wenigstens über den gemeinsamen Einsatz für mehr alternative Energietechnik sprechen, sagte er mit Blick auf die US-Delegation bei der Klimakonferenz, ohne sie jedoch direkt zu nennen. "Wer kann es ablehnen, eine solche Diskussion zu haben?".

"Wir haben eine Alternative

"Wir wissen, was gerade mit dem Klima passiert ... und wir haben eine Alternative", sagte Clinton vor 1.000 bis 2.000 begeisterten Zuhörern im Konferenzgebäude. Er betonte mehrmals, dass Klimaschutz insgesamt keine Arbeitsplätze vernichte, sondern eine Vielzahl schaffe, etwa durch den Bau von Solaranlagen oder effizienter Energietechnik. Klimaschutz schädige keinesfalls die Wirtschaft. Angesichts der Gletscherschmelze, des Wandels der Meeresströme und weiterer Anzeichen gebe es keinen seriösen Zweifel mehr, dass Klimawandel bereits stattfinde, sagte Clinton. Er sehe weltweit jedoch eine Reihe guter Ansätze im Kampf gegen den Klimawandel. Allein in den USA gebe es elf Bundesstaaten, die ihren Kohlendioxid-Ausstoß begrenzen wollten, und viele städtische Initiativen. (APA)

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    Auf den Sitzungstischen in Montreal wurden Anti-Stress-Pinguine mit Umweltbotschaften zur Verfügung gestellt.

  • Greenpeace-Aktivisten vor dem Konferenzgebäude.
    foto: cp photo/ryan remiorz

    Greenpeace-Aktivisten vor dem Konferenzgebäude.

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    Clintons Rede begeisterte die Umweltschutz-Organisationen - die offizielle Delegation der USA hatte bereits vor der Rede leicht verärgert reagiert. "Sie haben nicht formell protestiert, sind aber verstimmt", sagte ein kanadischer Konferenzteilnehmer.

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