Kopf des Tages: Markus Rogan

25. Juli 2006, 14:53
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Triumphiert, moderiert, polarisiert: "Wenn die Verkaufszahlen steigen, ist mir eine akademische oder intellektuelle Revue relativ egal"

Es ist nicht irgendein Hattrick, den Markus Rogan hier und jetzt vollendet (hat), es ist der Kopf-des-Tages-Hattrick. Michael Schumacher hat ab sofort das Nachsehen, nun steht Rogan auf einer Stufe zum Beispiel mit Lance Armstrong. Zu Hermann Maier, mit quasi sieben Köpfen der sportliche Rekordhalter, fehlt noch einiges, zum vierschädeligen Franz Beckenbauer nicht mehr viel.

"Übersiedlung machte den Meister", hieß im Mai 2004 der Kopf-Titel, nachdem der in den USA groß gewordene Rogan in Madrid einen EM-Titel geholt hatte. "Der in der Sympathie schwimmt", stand nur drei Monate später über jenem Kopf, der Rogan für seine Fairness nach dem Olympia-Endlauf lobte, weil sich der Wiener geweigert hatte, die später aufgehobene Disqualifikation des US-Olympiasiegers Aaron Peirsol zur Kenntnis und Gold statt Silber zu nehmen.

Nun hat Rogan neben dem fünften EM-Titel den ersten Weltrekord geschafft. Bei der Kurzbahn-EM in Triest hängte der 23-Jährige indirekt auch Peirsol ab, verbesserte dessen Bestmarke über 200-m-Rücken um 0,09 Sekunden auf 1:50,43 Minuten. Erstmals seit 5. Juni 1912, da Josef Selme-czy im Wiener Militärbad die 400-m-Rücken in 6:28,6 Minuten zurücklegte, stellt Österreich einen schwimmenden Weltrekordler.

Die kurze Bahn ist 25 Meter und damit halb so lang wie die traditionelle, olympische. Auf ihr wird seit knapp 20 Jahren vorwiegend im Winter um Titel geschwommen, schließlich gibt es weit weniger Hallen mit 50-m- denn mit 25-m-Becken. Der Kalender geht nun auch für den Schwimmer von Jänner bis Dezember, und er selbst geht winters medial nicht mehr unter.

Das mehrt die Rogan-Chancen etwa gegenüber Maier, der zweiten Raiffeisen-Werbe-Ikone. Puncto Öffentlichkeitsarbeit oder auch Arbeit in der Öffentlichkeit kann Rogan Maier längst das Wasser reichen. Er posiert mit dem Kanzler am Opernball, er moderiert den Life Ball, er geht zu "Vera", er streitet mit dem Verband um Vermarktungsrechte, er nimmt zu diesem und jenem und fast allem Stellung, er nervt ganz bewusst in der Cosmos-Werbung, er polarisiert. "Wenn die Verkaufszahlen steigen, ist mir eine akademische oder intellektuelle Revue relativ egal", sagt er. "Ich steh zu meiner Selbstdarstellung, ich steh dazu, dass ich mich selbst finanziere."

Rein technisch bringt die kurze Bahn mit sich, dass der Schwimmer öfter Luft anhalten und umdrehen und sich abstoßen und tauchen muss als im olympischen Pool. Über 200 Meter wendet Rogan nicht drei-, sondern siebenmal, diese Technik hat er intus wie kein anderer. Nun wird er, der am Samstag in Triest über 100-m-Rücken auf eine weitere Medaille losgeht, unterwegs an Tempo zuzulegen trachten. Peirsol will er spätestens 2008 in Peking den Meister und Olympiasieger zeigen. (Fritz Neumann - DER STANDARD PRINTAUSGABE 10./11.12. 2005)

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