Pflege für die Alten zu teuer

13. Dezember 2005, 09:03
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Sozialhilfe: Einstufungsmodelle sind nicht immer transparent

Bregenz – Die Berechnung von Altenheimtarifen ist nicht in allen Vorarlberger Einrichtungen transparent. Verwirrung schafft bei manchen Angehörigen und Insassen die Beurteilung der Pflegebedürftigkeit. In den meisten der 50 Pflegeheime wird eine hausinterne Einstufung nach einem siebenstufigen Bewertungsschema durchgeführt. Die Kriterien dazu wurden zwischen Landesregierung und der ARGE Heim- und Pflegeleitungen ausgehandelt. Je größer der Pflegeaufwand, umso höher die Stufe und der Tarif.

Ein Heimplatz kostet demnach monatlich zwischen 2700 und 3900 Euro. Da aber auch die Zuteilung des Pflegegeldes nach einem siebenstufigen Modell berechnet wird, kommt es immer wieder zu Missverständnissen. Wird jemand heimintern in die höchste Stufe eingereiht, heißt das noch nicht, dass er auch den Höchstbetrag nach Pflegegeldgesetz (rund 1500 Euro) bekommt.

Einstufung ist nicht gleich Einstufung, „denn die Kriterien sind nicht vergleichbar“, sagt Christian Bernhard, Obersanitätsrat im Amt der Landesregierung. Während für das Pflegegeld die Beurteilung durch den Amtsarzt in einer „Momentaufnahme“ gemacht werde, orientiere sich die heiminterne Beurteilung am tatsächlichen Aufwand.

Pflegeversicherung

Dass zwei Einstufungsmodelle parallel laufen, findet Bernhard „gut“. Kritik an Intransparenz und fehlender Informationsbereitschaft kann er nicht nachvollziehen. Wer sich im Einstufungsdschungel nicht zurechtfindet, bekommt am ehesten Hilfe von Praktikern. Markus Rusch, Geschäftsführer des Sozialzentrums Altach: „Wir informieren und helfen bei den Anträgen.“ Was auch notwendig ist, denn rund 77 Prozent der Altenheimbewohner können die Heimkosten nicht aus eigener Kraft bezahlen, sie brauchen Sozialhilfe. Rusch: „Man wird über eine Pflegeversicherung ernsthaft diskutieren müssen.“ (jub, DER STANDARD Printausgabe, 10./11.12.2005)

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