Literaturpreis für "Gedankenblitze" an Schuh und Balaka

9. Dezember 2005, 19:24
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Mit 5002 Euro dotierte Auszeichnung der elf großen österreichischen Literaturveranstalter wird heute in Mattersburg verliehen

Mattersburg/Wien - Bettina Balaka und Franz Schuh erhalten am Freitag, Abend im Literaturhaus Mattersburg die "Auszeichnung für literarische Gedankenblitze im aufgezogenen Jubeljahr". Der mit insgesamt 5.002 Euro (das Gedenkjahr 2005 verkehrt herum) dotierte Preis der elf großen österreichischen Literaturveranstalter soll einen "reflektorischen Kontrapunkt zu den Jubelfeiern" setzen, teilt das Literarische Quartier Alte Schmiede in einer Aussendung mit.

Die Jury, bestehend aus je einem Vetreter bzw. einer Vertreterin der Literaturveranstalter, beobachtete kontinuierlich die Auseinandersetzung österreichischer Autoren und Autorinnen mit der Feier oder Selbstfeier der Republik. Franz Schuh wurde für seine Texte "Die nicht gestörten Kreise" (abgedruckt in der "Presse", ursprünglich für den Katalog zur Ausstellung "Physiognomie der Zweiten Republik" vorgesehen, aber vor Drucklegung rausgeflogen), "Wir sind frei!" (in "Die Zeit") und "Das Land, in dem ich nichts werden wollte" (NZZ) ausgezeichnet, Bettina Balaka für "The Blitz Experience" (in "Die Welt, an der ich schreibe", Sonderzahl Verlag).

Schuh gleiche vielleicht nicht zufällig einem "Panzerknacker", heißt es in der Begründung der Jury. "Mittels der Sprache rückt er den Dingen zu Leibe, (...), presst ihnen ihr Innerstes ab. So erweist sich manche harte Nuss als hohl, und was bei künstlicher Beleuchtung Talmiglanz ausstrahlt, stellt sich bei Tageslicht betrachtet als gediegenes Geschmeide heraus."

Balakas Text überzeuge als literarische Bestandsaufnahme ebenso wie als durchdachte Analyse. "Der erzählerische Ansatz verlegt die Perspektive einer fiktiven Protagonistin gekonnt in die räumliche Distanz einer Reise nach London, während ein weiter, exakt konstruierter Bogen Gedankengänge zur Methodik jeglichen nationalen Kriegsgedenkens anhand zweier aktueller Beispiele umspannt."

Der einmalig vergebene Preis wird in je 2501 Euro geteilt. Die Laudatio hält der Literaturwissenschafter Klaus Amann von der Universität Klagenfurt. Stifter sind die Literaturhäuser Graz, Mattersburg, Salzburg, Wien, das Literaturhaus am Inn, das Unabhängige Literaturhaus Niederösterreich, das Stifterhaus Linz, Franz Michael Felder Archiv (Bregenz), Robert Musil Institut (Klagenfurt) sowie das Literarische Quartier Alte Schmiede und die Österreichische Gesellschaft für Literatur. (DER STANDARD, Printausgabe, 10./11.12.2005)

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