Manege frei fürs Christkind

23. Dezember 2005, 13:17
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Der Zirkus Roncalli organisiert in Hamburg einen Weihnachtsmarkt

Pascal Raviol ist beim Zirkus. Beim Zirkus Roncalli. Er ist ein geschmeidiger PR-Artist. Ohne Netz und Sicherung turnt er über über den Weihnachtsmarkt vor dem Hamburger Rathaus. Sein Telefon läutet unentwegt. Jemand braucht ein paar Schrauben, er kann sie besorgen. Ein Engel muss in die Luft gehen (mit Ballon, nicht mit Sprengsatz), er hat's im Griff. Die Bild-Zeitung will was, er gibt natürlich Auskunft.

Und Herr Raviol spricht auch ganz gern von Besinnlichkeit. Weil so soll nämlich der Roncalli-Weihnachtsmarkt sein. "Wir wollen keinen reinen Konsummarkt, keine Fressmeile, keinen Platz, wo sich die Leute die Glühweinkante geben. Wir wollen einen Weihnachtsmarkt, wie er im Märchenbuch steht", sagt er und schaut prüfend auf einen Spielzeugstand.

Deswegen überlassen die Roncalli-Leute auch nichts dem Zufall. Sie schreiben den Händlern bis hin zum Rindenmulch in den Hütten alles genau vor. Selbst das Personal in einer Südtiroler Jausenstube war - nach fachgerechter Hörprobe zweifelsfrei ermittelt - lebensecht südlich des Brenners angeworben worden.

Wien als neues Ziel

Roncalli wolle den Menschen Werte und Traditionen vermitteln, sagt Herr Raviol, deswegen schwebe abends auch eine Trapezkünstlerin als Engel über den Markt. "Vom Himmel hoch, da komm ich her, so heißt's ja." Und am Boden gibt es eben ansehnliches Kunsthandwerk, feine Lebkuchen, ein Wiener Kaffeehaus (in einem historischen Autoscooter untergebracht) noch als Draufgabe. Mit diesem Konzept will man im nächsten Jahr sogar nach Wien kommen. Auf den Stephansplatz - wenn es der Bürgermeister erlaubt.

Jedes Jahr besuchen drei Millionen Menschen die Märkte Hamburgs, obwohl die Stadt keine besondere Weihnachtsmarkttradition hat. Sie helfen der Hotellerie in der Stadt über eine tote Zeit. Von Wien bringen einen neuerdings die vergleichsweise sehr freundlichen Damen und Herren der Air Berlin in einem guten Stündchen bis zum Hamburg Airport. Seitdem explodieren die Zahlen der österreichischen Besucher dort. Natürlich auch, weil es an Elbe und Alster neben Weihnachtsmärkten noch das eine oder andere zu sehen gibt. Binnenländer staunen gern über den Frachthafen, schlendern durch die Speicherstadt und manche kommen - von wegen Weihnachtsmarkt - erst nach einem Besuch auf der Reeperbahn gewissermaßen zur Besinnung. (DER STANDARD, Printausgabe 10./11.12.2005

Christoph Prantner

Info
Mit Air Berlin von Wien nach Hamburg: Preis je nach Buchungszeitpunkt ab 29 Euro (inkl. Steuern und Gebühren), Flüge im Winter zweimal täglich (außer samstags, da fliegt nur eine Maschine).
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