Ruhestand? Von wegen!

9. Dezember 2005, 18:02
16 Postings

Der Weg ist nicht mehr weit - von Conrad Seidl

Die Aufhebung der Ruhensbestimmungen für beamtete Frühpensionisten sorgt vor allem deshalb für anhaltende Aufregung, weil hier in plakativer Weise drei Ungleichheiten zusammenkommen: Da ist zunächst der ganze Komplex der Frühpension. Nicht erst die jetzige Regierung hat sie als zu teuer erkannt - und die meisten Österreicher schließen sich dieser Erkenntnis auch gerne an. Solange es halt nicht um die eigene Pensionierung geht. Dann die Ruhensbestimmungen an sich: Sie wurden richtigerweise für Alterspensionisten gelockert - wer über 65 ist und dazuverdienen will, sollte mit Bonus weiterarbeiten oder eben neben der Pension ein Zweiteinkommen erwirtschaften können. Gerade das aber lässt die Zuverdienstverbote für die ja oft noch sehr agilen und leistungsbereiten Frühpensionisten, die eben in ihrem bisherigen Beruf nicht mehr unterkommen, noch schmerzlicher erscheinen. Das ist vom System erwünscht, denn eigentlich sollten diese relativ jungen Pensionisten ja noch regulär arbeiten. Und nicht ihre gar nicht so wohlverdiente (andererseits aber auch nicht üppige) Pension beziehen. Schließlich der größte Ärger: All das soll für Beamte nicht gelten? Na, bei denen ist eben alles anders! Dieses Argument lässt sich rechtlich gut begründen - aber es verschärft den gesellschaftlichen Druck, die Systeme anzugleichen. Anläufe dazu hat es schon dutzendweise gegeben - und fast jedes Mal ist ein bisschen etwas von den so genannten Beamtenprivilegien abgebröckelt. Gerade das erleichtert es der Regierung, mit einem Bundesmitarbeitergesetz die weit gehende Abschaffung des Beamtenstands durchzusetzen: Der Weg ist nicht mehr weit - und den Betroffenen muss relativ wenig als Ausgleich angeboten werden. (DER STANDARD, Printausgabe, 10.12.2005)
Share if you care.