Kasachstan, der zentralasiatische Tiger

21. Dezember 2005, 14:09
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Politisch autoritär hat sich Kasachstan wirtschaftlich zum Musterknaben der Nachfolgestaaten der Sowjetunion aufgeschwungen. Exporte sorgen für einen Wirtschaftsboom

Wie es mit der oft propagierten politischen Liberalisierung im zentralasiatischen Kasachstan weitergeht, ist schwer auszumachen. Legitim seien die Präsidentschaftswahlen vom Sonntag jedenfalls nicht gewesen, stellten OSZE-Wahlbeobachter fest.

Der neuntgrößte Staat der Welt wird seit vierzehn Jahren autoritär vom Clan des Nursultan Nasarbajew, der sich eine weitere Amtszeit gesichert hat, regiert. Die politische Entwicklung, die sich auch darin zeigt, dass zehn weit gehend staatlich kontrollierte Konzerne 80 Prozent der kasachischen Wirtschaft kontrollieren, hinkt aber hinter der wirtschaftlichen her. Denn die großen Öl- und Gasvorkommen bescheren Kasachstan seit Jahren einen Wirtschaftsboom.

In den letzten fünf Jahren wuchs das BIP um durchschnittlich 11,8 Prozent pro Jahr. Wachstumsmotoren waren der boomende Energiesektor, der allein im Vorjahr um 25 Prozent zulegte, erfolgreiche Wirtschaftsreformen und Auslandsinvestitionen. Und auch für heuer prognostiziert das Wirtschaftsministerium – bei einer Inflation von unter sieben Prozent – wieder einen BIP-Anstieg um 8,8 Prozent.

Export zieht an

Der kasachische Export mit seinen Hauptgütern Erdöl und Metalle ist heuer um 50 Prozent gestiegen. Schneller als in den anderen UdSSR-Nachfolgestaaten wurden strukturelle Reformen angepackt. So etwa im Bankensystem: Kasachstan verfügt heute über das effizienteste Bankensystem unter den GUS-Staaten, zeichnet sich durch hohe Transparenz und durch eine strenge Bankenaufsicht aus.

Der Großteil der ausländischen Direktinvestitionen von mittlerweile 30 Mrd. Dollar floss in die Rohstoff-Industrie, mit der Kasachstan übermäßig gesegnet ist: Aus den 105 Elementen des Periodensystems wurden 99 erschlossen, die Vorkommen von 70 Elementen erkundet und über 60 in die Produktion einbezogen. Doch über all dem stehen derzeit die Ölvorkommen von vier Mrd. Tonnen.

Chinas größter Energiedeal fand heuer in Kasachstan statt: um 4,18 Mrd. Dollar kaufte die staatliche CNPC den kasachischen Konzern PetroKazakhstan Inc. – eine 900 km lange neue Pipeline soll ab 2006 zehn Mio. Tonnen Öl nach China transportieren. Seit Mai wird Öl auch zur Pipeline Baku–Tiflis–Ceyhan verschifft.

Zu den weltweit 20 größten Förderländern aufgestiegen, fördert Kasachstan derzeit an die 50 Mio. Tonnen Öl jährlich, 2010 sollten es 90 bis 100 Mio. Tonnen sein. Das Potenzial als Gasexporteur wird erst jetzt erkannt, die Reserven liegen bei drei Mrd. Kubikmeter.

Entwicklungsprogramm

Als eine Notwendigkeit hat Kasachstan die Diversifizierung seiner Wirtschaft erkannt und dafür bereits ein Entwicklungsprogramm bis 2015 eingerichtet. Sollte man darin vorankommen, geht auch der kaufkräftige Markt für Anlagenbauer, Dienstleister, Baufirmen und Handelsketten weiter auf. Schon heuer wurden große Zuwächse in Produktion, Konsumgüterindustrie und Dienstleistungen in fast allen Wirtschaftsbranchen beobachtet.

2004 sind die Reallöhne um 12,7 Prozent gestiegen, das durchschnittliche Einkommen beträgt monatlich 175 Euro. Die Arbeitslosenrate liegt unter acht Prozent. (Eduard Steiner aus Moskau, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 10./11.12.2005)

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    Der autoritär regierende Präsident Kasachstans, Nursultan Nasarbajew, hat sich kürzlich eine weitere Amtszeit gesichert.

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