Unter das Eis der Antarktis geblickt

10. Dezember 2005, 19:30
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Britische und amerikanische Forscher kartografierten Täler, Berge und Seen unter der Eisdecke des südpolaren Kontinents

London/Washington - Ein britisch-amerikanisches Forschungsteam hat erstmals die Unterseite der West-Antarktischen-Eisdecke vermessen und kartografiert. Die ersten Ergebnisse sind nun veröffentlicht worden. Demnach zeigen sich unter dem antarktischen Eis Täler, Berge und Seen, berichtet die University of Texas.

Die Wissenschaftler des British Antarctic Survey und der American Geophysical Union (AGU) wollten schon seit längerem herausfinden, wie stabil die Eisdecke tatsächlich ist. Die neuen Radar-Aufnahmen machen deutlich, wie diese Region ohne Eis tatsächlich aussieht. Die Forschungsergebnisse werden in erster Linie Hinweise darauf geben, wie sich die globale Erwärmung auf die Antarktis auswirkt. Das komplette Schmelzen der West-Antarktischen-Eisdecke würde weltweit zum Anstieg des Meeresspiegels um 1,3 Meter führen.

Daten wichtig für Klima-Modelle

"Die Daten sind wirklich sehr wichtig, denn sie machen deutlich wie sich die globale Erwärmung auf die Meeresspiegel auswirkt", meint Don Blankenship von der University of Texas. Der britische Forschungsleiter David Vaughan fügt noch hinzu, dass vor allem die Geschwindigkeit eines Anstiegs von Relevanz sei. "Jeder will wissen, ob und wie schnell die Meeresspiegel steigen werden, ob es zehn, 50 oder gar 100 Zentimeter sind", so Vaughan. Diese Daten sollen nun errechnet werden.

Die beiden Forschungsteams hatten die untersuchten Teile der Westantarktis in zwei Segmente geteilt, das britische "Bbas" und das amerikanische "Agasea". Die beiden Forschungsflugzeuge waren mit zahlreichen speziellen Messgeräten wie Magnetometer und speziellen Radargeräten ausgerüstet, die das drei bis vier Kilometer dicke Eis "durchleuchten" konnten. Mindestens 80.000 Kilometer haben die Flugzeuge seit Dezember 2004 zurückgelegt. Die Ergebnisse sind viel versprechend, da sie ein detailliertes Bild der Topografie mit den beiden großen Gletschern, Twaithes- und Pine Island-Gletscher (PIG) geben. Die Veränderungen der beiden Gletscher, die in "Eisflüssen" ins Meer brechen, ist für die Klimaforscher von großer Bedeutung. Unbekannt ist immer noch, wie sich die globale Erwärmung auf diesen Kreislauf auswirkt. Allein PIG transportiert jährlich Eismengen von 69 Kubikkilometer.(pte)

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    Abbrechen eines riesigen Eisbergs vom Pine Island-Gletscher in der Amundsen-See (Archivbild vom November 2001)

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