Elektronische Nase wittert organische Substanzen

10. Dezember 2005, 20:00
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Tiroler Firma entwickelte Gerät zur Schadstoff-Bestimmung mit Anwendung im Labor sowie in der Lebensmittelbranche

Wien - Fünf Teile an so genannten flüchtigen, organischen Substanzen in 1.000 Milliarden (ppt) Teilen Luft analysiert ein innovatives Gerät zur Schadstoff-Bestimmung der Tiroler Firma "Ionicon Analytik", ein Spin-off der Uni Innsbruck. Die ultrafeine, elektronische Nase soll nicht nur in Labors eingesetzt werden - in der Lebensmittelbranche kann es beispielsweise überwachen, ob Fleisch genießbar oder verdorben ist. Die Entwicklung des Geräts wurde von der Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) unterstützt.

Messungen in Echtzeit

Die Ionicon-Experten setzen auf die patentierte Technologie der so genannten Protonen Tausch Reaktions-Massenspektrometrie (PTR-MS). Damit können nicht nur geringste Spuren eines bestimmten Stoffes detektiert werden. Im Gegensatz zu herkömmlichen Geräten und Verfahren - etwa der so genannten Gas-Chromatographie - können damit laufende Messungen quasi in Echtzeit durchgeführt werden.

Für die Massenspektrometrie machen sich Technologen vereinfacht gesagt den Umstand zu Nutze, dass alle Stoffe ganz unterschiedliche Massen haben, daher rührt auch der Name. Etwa in elektromagnetischen Feldern können die verschiedenen Massen aufgetrennt und dann analysiert werden. Dazu ist es allerdings nötig, dass man die Stoffe ionisiert, also mit einer elektrischen Ladung versorgt.

Analyse im Massenspektrometer

Die Forscher setzen für diese Ionisierung eine besonders sanfte Methode ein, wie Lukas Märk von Ionicon erklärte. Dazu wird die zu untersuchende Luft in einer Reaktionskammer mit positiv geladenen - protonisierten - Wassermolekülen zusammengebracht. Während die normalen Luftmoleküle wie Sauerstoff oder Stickstoff davon unberührt bleiben, übertragen die geladenen Wasserteilchen ein Proton auf flüchtige, organische Komponenten und ionisieren sie damit. Im Massenspektrometer kann dann die Analyse erfolgen.

Flüchtige organische Stoffe können in vielen Produktionsstätten ein Problem werden. Sie entstehen etwa bei verschiedensten Verbrennungsprozessen wie in der Müllverbrennung oder in Motoren. Auch Bakterien können solche Substanzen freisetzen, Fäulnisprozesse sind typische Quellen für flüchtige organische Substanzen. Ein Spezialeinsatzbereich für die Ionicon-Methode ist daher auch die Lebensmittelbranche. Aromen können ebenso laufend überwacht werden wie die Qualität der Produktion. (APA)

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