Iranische Botschafter in Europa einbestellt

14. Dezember 2005, 13:33
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Nach Äusfällen des iranischen Präsidenten gegen Israel zitierten Wien, Berlin und Rom die Botschafter zu sich und bekundeten ihre Empörung

Wien/Berlin/Teheran - Mit seinen Äußerungen über das "Krebsgeschwür" Israel, das am besten nach Europa verlegt werden solle, hat der iranische Präsident Mahmud AhmadiNejad erneut weltweit Empörung ausgelöst. Im eigenen Land jedoch spiegeln derart markige Sprüche eine weit verbreitete Stimmung wider.

Politische Beobachter sind sich uneins darüber, ob der erst im Juni gewählte Ahmadi-Nejad aus purer Unerfahrenheit handelt oder ob Kalkül hinter seinen Ausfällen steckt. Immerhin konnte der Präsident ahnen, was er mit seinen neuerlichen Israel-feindlichen Äußerungen bewirken würde, nachdem er bereits im Oktober mit der Forderung für Empörung gesorgt hatte, Israel von der Landkarte zu tilgen.

In Berlin, Wien und Rom wurden die iranischen Botschafter am Freitag in die jeweiligen Außenministerien zitiert. Der österreichische Außenamts-Generalsekretär Johannes Kyrle wies dabei die Äußerungen des iranischen Präsidenten "mit aller Entschiedenheit" zurück und verwies auf eine frühere Erklärung von Außenministerin Ursula Plassnik, dass "das Existenzrecht Israels nicht in Zweifel gezogen werden darf".

Kyrle betonte, dass der durch die Vereinten Nationen gegründete Staat Israel mit jahrzehntelanger UNO-Mitgliedschaft eine klare Legitimation durch die internationale Staatengemeinschaft besitze. Das deutsche Auswärtige Amt erklärte, die Äußerung Ahmadi-Nejads sei "in keiner Weise hinnehmbar". Führende Vertreter der deutschen Juden haben inzwischen den Abbruch der diplomatischen Beziehungen zu Teheran gefordert. "Empörung allein reicht nicht", erklärte der Präsident des Zentralrats der Juden, Paul Spiegel.

Ahmadi-Nejad hatte am Rande einer Tagung der Islamkonferenz-Organisation in Mekka in einem Fernsehinterview unter anderem die Empfehlung ausgesprochen, den Israelis eine neue Heimstatt in Deutschland und Österreich anzubieten und damit das Problem des Nahostkonflikts "an der Wurzel" zu packen.

Wörtlich sagte er laut Text der iranischen Nachrichtenagentur "Mehr": "Wenn die europäischen Länder eingestehen, dass sie die Juden im Zweiten Weltkrieg getötet haben und Hitler für die Verbrennung und Vernichtung der Juden verantwortlich war, warum geben sie dann nicht einen Teil Europas den Zionisten, damit diese jede Regierung bilden, die sie wünschen? Die Europäer glauben, sie sollten die Kräfte unterstützen, die Jerusalem besetzen, seit Juden im Zweiten Weltkrieg zu Opfern (victimized) wurden. Wir akzeptieren das jedoch nicht."

UNO-Generalsekretär Kofi Annan nannte Ahmadi-Nejads Äußerungen "schockierend". Alle Staaten sollten gegen die Leugnung der Judenverfolgung und des Völkermordes ankämpfen. (APA, Reuters/DER STANDARD, Printausgabe, 10.12.2005)

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