Fendrich-Musical: Spiel mir das Lied vom Flop

9. Dezember 2005, 19:18
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Schlechtes Einspielergebnis und hohe Produktionskosten von "Wake up" rissen Loch ins Budget der Vereinigten Bühnen

Wien - Böses Erwachen für die Kulturverantwortlichen in Wien: Das Kontrollamt lässt kein gutes Haar an der Musicalproduktion "Wake Up", die 2002 bis 2004 Wien zu sehen war. Demnach haben das schlechte Einspielergebnis und hohe Produktionskosten ein nicht unbeträchtliches Loch in das Budget der Vereinigten Bühnen Wien (VBW) gerissen. Das Musical von Rainhard Fendrich und Harold Faltermeyer soll für einen Verlust von insgesamt 12,70 Mio. Euro gesorgt haben.

Zugriff auf Rücklagen notwendig

Verantwortlich dafür waren demnach vor allem das schlechte Einspielergebnis und die hohen Produktionskosten. "Aus den erzielten Kartenerlösen war eine Deckung der direkten Produktionskosten jedenfalls nicht gegeben, der Verlust musste durch entsprechende Rücklagenauflösungen abgedeckt werden", heißt es im Bericht.

Die Uraufführung des Stücks fand am 21. September im Theater an der Wien statt. Bis zum Ende der Spielzeit im Jänner 2004 wurden insgesamt 355 Vorstellungen gegeben. Die Auslastung betrug durchschnittlich 70,5 Prozent.

Fendrich im Gerede

Problematisch soll auch der Umstand gewesen sein, dass der ursprüngliche "Hauptdarsteller" nicht während der gesamten Spieldauer im Einsatz war. Damit dürfte nicht Alexander Goebel, der den Popstar Ronny Reno gab, sondern Rainhard Fendrich selbst gemeint sein. Dieser verkörperte den halbseidenen Manager Jeff Zodiak - eine Rolle, die zum Teil Erwin Windegger übernommen hat.

Laut Kontrollamt haben sich weiters "ungünstige wirtschaftliche Rahmenbedingungen" wie der Irakkrieg und auch "das damals stark in der Öffentlichkeit diskutierte Privatleben des Künstlers" auf den Kartenverkauf ausgewirkt. Tatsächlich hat Fendrich im Jänner 2003 die Trennung von seiner Frau bekannt gegeben.

ÖVP sieht "falschen Weg"

Der Kultursprecher der Wiener ÖVP, Franz Ferdinand Wolf, sprach am Freitag in einer Aussendung von einem "wirtschaftlichen Desaster". Überrascht hätten die Aussagen des Kontrollamtes jedoch niemanden, zeigte er sich überzeugt.

Wolf sah die Linie der ÖVP, die sich "vehement gegen den Ausbau der Musicalkapazitäten" ausspricht, bestätigt: "Der Wiener Weg, Musical hoch zu subventionieren und zu forcieren, ist falsch. Die Stadt investiert in eine Theaterleiche, auf Kosten der anderen Kulturschaffenden."

SPÖ hält an Musicals fest

SP-Kultursprecher Ernst Woller wies die Kritik zurück: "Offensichtlich hat der neue Kultursprecher der Wiener ÖVP noch nicht realisiert, dass der Wahlkampf vorbei ist." Es sei "absoluter Unsinn" eine einzige Produktion herauszugreifen, weil dadurch das Bild verzerrt werde.

Wien sei als Musicalstadt auf einem erfolgreichen Weg, versicherte Woller: "Wer die letzte umjubelte Vorstellung von 'Elisabeth' gesehen hat, kann ermessen, welches Potenzial es in Wien für den Bereich Musical gibt - und diesem Potenzial möchte die Kulturpolitik auch Rechnung tragen." Neben "Elisabeth" sei auch die Produktion "Romeo und Julia" sehr erfolgreich, und mit "Rebecca" habe Intendantin Kathrin Zechner einen weiteren Erfolg versprechenden Stoff vorgelegt, so Woller.

Auch die Vereinigten Bühnen Wien verwiesen in einer Aussendung auf jüngste Erfolge. Die VBW hätten sich, so wurde betont, in den vergangenen Jahrzehnten als Musical-Produzent und -Exporteur auch international etabliert. "Wie bei jedem kreativen Prozess sind nicht alle Produktionen bei gleich bleibend hohem künstlerischen Anspruch gleich erfolgreich", hieß es. (APA)

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