Gute Karten für 2006

18. Juli 2006, 13:45
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Durchschnittlich werden Chefs 3,7 Prozent mehr verdienen, sagt Neumann-Gehaltsexperte Conrad Pramböck.

Der statistische Blick auf die Gehaltssteigerungen der Firmenleiter mit 3,8 Prozent nominell sagen wenig. 360.000 Euro brutto (244.000 Grundbezug) als durchschnittliche Gage für Vorstände börsennotierter Unternehmen verbergen Ausreißer wie etwa Andreas Treichl (Erste Bank). 202.500 (154.300 fix) verdienten Manager, die unter dem Konzernvorstand eigene Geschäftsbereiche leiten. Auch da ist die Bandbreite sehr groß, abhängig von Expansion und Internationalität.

"Die wahren Gehaltserhöhungen spielen sich über variable Vergütung ab", so Conrad Pramböck, Vergütungsexperte der Neumann International. Zwar zeige die durchschnittliche Gehaltssteigerung Werte deutlich über der berechneten Inflation, in manchen Unternehmen seien die Vorstandsbezüge aber nominell sogar unverändert geblieben. Aktuell betrage der Zielbonus in der ersten Ebene 50 bis 100 Prozent. "Verhandlungssache", wie Pramböck sagt, der den Managern vor allem der heimischen Konzerne "gute Karten" für die Verhandlungen 2006 attestiert: stabiler Mitarbeiterstand, gute Ergeb 3. Spalte nisse und überwiegend deutliche Börsenkurssteigerungen. Pramböck: "Auf dieser Ebene zählen praktisch nur die harten Faktoren für den Bonus, die weichen haben kaum Bedeutung."

Wer den Aufsichtsrat in den kommenden Wochen mit der Entlohnung befasse, erinnert er, soll bedenken, dass Privates keinesfalls Platz hat: Neuer Kredit, Umzug, Scheidung, neues Haus – das seien keine Argumente für mehr Geld, so Pramböck. "Auf professioneller Ebene bleiben." Es gebe nur zwei Gründe für Gehaltserhöhung in solchen Positionen: bessere Ergebnisse und mehr Verantwortung.

Harte Kennzahlen

Auffällig, sagt Pramböck, sei, dass Nationalität für das Rekrutieren von Spitzenkräften an Bedeutung verliere. Es gelten internationale Benchmarks auch für die zweite Ebene. Diesbezüglich sieht er die Gage einer Führungskraft, die aus Osteuropa stammt, bereits dem heimischen Niveau angeglichen, vor allem, was die reiferen Märkte "aber auch Moskau" betreffe.

Damit intensiviere sich der persönliche Wettbewerb zwischen den Kandidaten. Und Pramböck in eigener Compensation-Know-how-Sache: "Da ist es für Unternehmen besonders wichtig, internationale Gehaltsvergleiche auf dem Tisch zu haben."

Besonders attraktive Karrierechancen sieht er nach wie vor in Zentral- und Osteuropa: "Wer diese Chance nicht nützt, darf sich nicht beschweren, wenn das Gehalt stagniert." So lange Lohnkostenvorteile in dieser Region noch bestünden, hielten auch die Karrierechancen für Österreicher, glaubt er.

Lokale Manager verdienten in den Metropolen der so genannten osteuropäischen Länder allerdings auch bereits so viel (oder mehr) wie vergleichbare Kräfte in Österreich. (Der Standard, Printausgabe 10./11.12.2005)

Von Karin Bauer

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Neumann Compenstion
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