New England Journal of Medicine in Wissenschaftsskandal verwickelt

16. Dezember 2005, 15:22
3 Postings

Infarktfälle aufgrund eines Antirheumatikums: Autoren der Medizin-Fachzeitschrift arbeiteten mit falschen Zahlen

Boston - Um seinen Ruf zu retten, musste jetzt eine der weltweit angesehensten Medizin-Fachzeitschriften - das "New England Journal of Medicine" - zu einer drastischen Maßnahme greifen: Online wurde am Donnerstag eine Erklärung veröffentlicht, wonach in einer der wichtigsten wissenschaftlichen Studie über die Verträglichkeit des mittlerweile vom Markt genommenen Antirheumatikums und Schmerzmittels "Vioxx" von den Autoren drei Infarktfälle verschwiegen wurden.

Hohe Zahl der Geschädigten

In der Vigor-Studie, die im Jahr 2000 veröffentlicht wurde, war das herkömmliche Antirheumatikum Naproxen mit dem Cox-2-Hemmer Rofecoxib (Vioxx/Merck, Sharp & Dohme) verglichen worden. Es ging primär um den Nachweis, dass das neuere Medikament weniger Nebenwirkungen im Magen-Darm-Trakt hervorrufe. Das war auch der Grund für die Entwicklung der modernen Cox-2-Inhibitoren. Doch 2004 tauchten in einer Studie schließlich jene Informationen auf, die dazu führten, dass Vioxx vom Markt genommen wurde: wegen deutlich erhöhtem Herz-Kreislauf-Risiko für die Benutzer. Mittlerweile gibt es dazu Schadenersatzprozesse in den USA, eine Studie schätzte die Zahl der Geschädigten allein in den USA auf bis zu 114.000.

"Zu spät" Einblick in neue Zahlen genommen

In der Vigor-Studie allerdings wurden offenbar drei Todesfälle durch Herzinfarkt einfach verschwiegen. Die Autoren berichteten von 17 Herzinfarkten in der mit Rofecoxib behandelten Probandengruppe und von vier in der Naproxen-Gruppe. Doch in einer eidesstattlichen Erklärung im Rahmen eines Vioxx-Prozesses kam heraus: Es waren drei Herzinfarkt-Fälle mehr in der Gruppe der Patienten, die mit dem Cox-2-Hemmer behandelt worden waren.

Das "New England Journal of Medicine": "Die Nichtaufnahme dieser drei Zwischenfälle führte zu einer Unterschätzung des Unterschieds im Herzinfarkt-Risiko zwischen der Rofecoxib- und der Naproxen-Gruppe." Offenbar - so die Zeitschrift - waren die Zwischenfälle im Papier-Manuskript entfernt worden. Die Diskette mit dem Text hatte sie jedoch enthalten - doch die hatte das Journal erst am 5. Oktober 2005 "angesehen". (APA)

Share if you care.