"Wine in the City"

9. Dezember 2005, 17:00
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... mit Blick für Tradition. Erwin Tinhofs Weingärten liegen an den Hängen des Leithagebirges, der Keller, in dem Weine aller Couleurs entstehen, mitten in der burgenländischen Hauptstadt

Er zählt zu den "bekannten Unbekannten" oder zu den "lauten Leisen" in der Weinszene, der ohne Umwege über Marketing-Speak sagt, was er denkt. Positioniert hat er sich mit klar strukturierten, fruchtigen Weinen aus traditionellen österreichischen Rebsorten, wobei er vor allem für seine Süßweine international mehrfach ausgezeichnet wurde.

Als er begann, erzählt Tinhof, "hatte ich keinen einzigen Kunden, weil vorher alles im Fass verkauft wurde. Dafür konnte ich den Wein machen, den ich wollte". Sein Onkel hatte die Ölhandelsfirma der Familie bereits vor der Ölkrise 1973 verkauft und das Geld in Weingärten in guten Lagen wie "Feuersteig" investiert, die Erwin Tinhof 1990 pachtete.

Nach einem Landwirtschaftsstudium in den 80-ern ging er für ein weiteres Semester an die Universität von Montpellier in Südfrankreich. Auch um ein Praktikum am Weingut "Mas de Daumas Gassac" in Aniane zu machen, das Aimé Guibert gehört. Dessen Auseinandersetzung mit der Mondavi-Familie war eines der Hauptthemen der Wein- Doku "Mondovino". Mitgebracht habe Tinhof einmal die Erkenntnis, das man Wein macht, um Geld zu verdienen, und auch dass Wein in Frankreich ein Kulturgut sei, etwas, das "eine auf Geschichte begründete soziologische Bedeutung" habe.

"Ich wollte zu Hause nichts kopieren, sondern etwas Eigenes machen." Daher setzte Tinhof seit seinen Anfängen auf Sorten wie Neuburger und Weißburgunder, auf Zweigelt, Blaufränkisch und Sankt Laurent. Alle Tradition hindert ihn aber nicht daran, als erster einen Süßwein, Beerenauslese 2002, mit Schraubverschluss abzufüllen. Die Trockenbeerenauslese 2002 aus hauptsächlich Weißburgunder mit etwas Chardonnay, Welschriesling und Neuburger erhielt im September die "Sweet Wine Trophy 2005" des britischen Fachmagazins Decanter.

"Ich glaube, dass das Lagenpotenzial hier in der Region gewaltig groß, aber keinesfalls ausgelotet ist", so Tinhof. "Wenn Österreichs Rotweine international punkten sollen, dann nur mit Individualität." Wobei Internationalität "nicht nur Deutschland" heißt, und man auch einsehen müsse, dass "viele Rotweintypen bereits abgedeckt sind. Aber mit Blaufränkisch müsste einiges gehen." (Luzia Schrampf, DER STANDARD - Printausgabe, 10./11. Dezember 2005)

Link

Weingut Erwin Tinhof
Gartengasse 3
7000 Eisenstadt
Tel. (0)2682/62648
Fax: (0)2682/68232
wein@tinhof.at

Buchtipp:
"Die besten Weine Österreichs 2005/2006"
von Viktor Siegl und Rudolf Steurer ausgewählt.
9,95 Euro
Verlag Carl Ueberreuter
Wien 2005

8. Teil:
Schilcher-Power
Langmann
Wstmk.
  • Artikelbild
    grafik: standard
  • Erwin Tinhof (li.), Winzer aus Eisenstadt, und Steven Spurrier vom britischen Fachmagazin "Decanter" bei der Gala zur Verleihung der Decanter World Wine Awards im September 2005 in London
    foto: decanter

    Erwin Tinhof (li.), Winzer aus Eisenstadt, und Steven Spurrier vom britischen Fachmagazin "Decanter" bei der Gala zur Verleihung der Decanter World Wine Awards im September 2005 in London

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