Pressestimmen: "Im Eiltempo in die internationale Isolation"

13. Dezember 2005, 07:14
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La Repubblica: "Den äußeren Feind ins Spiel zu bringen, ist bei autoritären Regimes an der Tagesordnung"

Stuttgart/Berlin/Rom - Die in Mekka ausgesprochene Empfehlung des iranischen Staatspräsidenten Mahmoud Ahmadinejad, den Israelis eine neue staatliche Heimstatt in Deutschland und Österreich anzubieten und damit das Problem des Nahost-Konflikts "an der Wurzel" zu packen, wird am Freitag von zahlreichen Zeitungen kommentiert:

"Stuttgarter Zeitung":

"Der iranische Staatschef scheint finster entschlossen zu sein, den Gottesstaat der Mullahs im Eiltempo in die internationale Isolation zu führen. (...) Man kann diese Ungeheuerlichkeiten natürlich als Ausfälle eines Wahnsinnigen abtun, doch es handelt sich dabei um den gewählten Repräsentanten eines bedeutenden Landes in einer gleichfalls nicht unwichtigen Region der Weltpolitik. Eines Landes zudem, das unter begründetem Verdacht steht, nach der Atombombe greifen zu wollen. Es wäre nicht auszudenken, wie die nahöstliche, ja die ganze Welt aussähe, wenn es dem Iran unter einer derartigen Führung gelänge, in den Besitz der ultimativen Waffe zu kommen. Die Völkergemeinschaft ist jedenfalls spätestens jetzt aufgerufen, zusammenzustehen und den Druck auf den Iran zu erhöhen."

"die tageszeitung" (taz) (Berlin):

"Der iranische Präsident hat den Holocaust geleugnet und vorgeschlagen, den Staat Israel nach Europa zu verlegen. Vor wenigen Wochen hatte Ahmadinejad gefordert, Israel von der Landkarte zu tilgen, und damit weltweit Empörung ausgelöst. Der Präsident ist ein Vertreter der erzkonservativen Strömungen im Land, die Israel und die USA als Erzfeinde betrachten."

"Corriere della Sera" (Mailand):

"Reue? Aber nein! Der iranische Präsident hat noch einmal nachgeladen. Nicht damit zufrieden, am 27. Oktober die 'Auslöschung des zionistischen Regimes von der Landkarte' gefordert zu haben, hat der Ex-Pasdaran jetzt einen neuen Vorschlag gemacht, um die 'jüdische Frage' ein für alle Mal zu lösen. Mit einem nur scheinbar versöhnlicheren Ton hat er vorgeschlagen (...), Israel nach Europa zu verlegen. Der iranische Vorschlag, der mit einem Lächeln auf den Lippen gemacht wurde, enthält genauso viel Gift wie der Aufruf dazu, Israel zu zerstören."

"La Repubblica" (Rom):

"Ahmadinejad hat seine übliche Litanei zum Thema Israel da wieder aufgenommen, wo er sie vor einigen Wochen unterbrochen hatte, als er Israel einen 'Tumor' genannt hatte. Die Neuheit ist, dass er jetzt nicht mehr von einer schlichten Amputation spricht, sondern von einem Auszug in umgekehrter Richtung. (...) Immer wieder den äußeren Feind ins Spiel zu bringen, ist bei autoritären Regimes an der Tagesordnung. Damit soll der Zusammenhalt gestärkt werden, es soll auf die leichteste Weise Zustimmung erhascht werden und es soll die wackelnde eigene Identität bestätigt werden. Aber diese obsessive antiisraelische Kampagne von Ahmadinejad könnte auch einfach ein Zeichen von Schwäche sein." (APA/dpa)

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